Risikobericht
Aktuelles Risikoumfeld
Das globale Risikoumfeld im Jahr 2026 ist durch eine Kombination aus strukturellen, geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten gekennzeichnet.
Der zunehmende strategische Wettbewerb zwischen den Großmächten und der Abbau multilateraler Kooperationsmechanismen schwächen die internationale Stabilität.
Wirtschaftlich belasten anhaltende Handelskonflikte, protektionistische Maßnahmen und eine fragmentierte Weltwirtschaft die Lieferketten, Investitionen als auch Wachstumsaussichten.
Trotz der zahlreichen geopolitischen Spannungen gibt es unter anderem aufgrund neuer Handelsabkommen aber auch Lichtblicke in der europäischen Wirtschaft und einen ökonomisch optimistischeren Ausblick als zu Beginn des Vorjahres.
Technologische Umbrüche, insbesondere in den Bereichen künstliche Intelligenz und Cyberrisiken, erhöhen die Anfälligkeit von Organisationen und Unternehmen gleichermaßen.
Darüber hinaus verschärfen klimabedingte Extremwetterereignisse und der Druck, bestehende Geschäftsmodelle zu transformieren, die Komplexität des Risikoumfelds.
Insgesamt ist das Jahr 2026 durch erhöhte Volatilität in den Märkten, geringere Vorhersehbarkeit politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen und ein wachsendes Konfliktpotenzial gekennzeichnet.
Für eine ausführliche Bestandsaufnahme der Entwicklungen am Weltfasermarkt im Berichtsjahr und den damit zusammenhängenden Risiken für die Lenzing Gruppe siehe Kapitel „Allgemeines Marktumfeld“.
Lenzing Risikoausblick 2026
Das globale Risikoumfeld, insbesondere im Hinblick auf die aktuellen geopolitischen Entwicklungen, wirkt sich in verschiedenem Ausmaß auf die Geschäftstätigkeit von Lenzing aus.
Für 2026 prognostiziert der IWF ein Weltwirtschaftswachstum von 3,3 Prozent. Die globale Inflationsrate wird laut IWF voraussichtlich auf 3,8 Prozent im Jahr 2026 und auf 3,4 Prozent im Jahr 2027 sinken.1
Ergebnisrisiken für Lenzing resultieren insbesondere aus der anhaltend schwachen Nachfrage nach regenerierten Cellulosefasern. Diese ist auf eine Verschiebung des Marktgleichgewichts aufgrund verstärkter asiatischer Konkurrenz und der daraus folgenden niedrigen Faserpreise sowie auf die volatile Preisentwicklung zentraler Rohstoffe und Energie zurückzuführen.
Lenzing begegnet diesen Risiken proaktiv durch die konsequente Umsetzung ihrer überarbeiteten Strategie und die damit verbundene Ausrichtung auf nachhaltiges Wachstum mit emissionsarmen Premiumprodukten.
Angesichts der geopolitischen Spannungen führen globale Handelskonflikte zu einem erhöhten Risiko zusätzlicher Handelsbeschränkungen mit potenziellen negativen Auswirkungen auf für Lenzing relevante Lieferketten und Absatzmärkte.
Die Versorgung der Faserproduktionsstandorte mit hochwertigem Faserzellstoff gilt durch die unternehmenseigene Zellstoffproduktion und ausreichende Marktkapazitäten langfristig als gesichert.
Das Liquiditätsrisiko für 2026 wird aufgrund der Cash-Position und ungenutzter Kreditlinien bei Banken sowie der erwarteten Free Cashflow-Entwicklung als moderat eingestuft. Lenzing konnte die Liquiditätsposition durch den Abschluss einer syndizierten Finanzierung über EUR 545 Mio., bestehend aus einem endfälligen Darlehen mit einer Laufzeit von drei Jahren in Höhe von EUR 355 Mio. und einer revolvierend ausnutzbaren Kreditlinie in Höhe von EUR 190 Mio. mit einer Laufzeit von ebenfalls drei Jahren mit Verlängerungsoptionen von insgesamt zwei Jahren und durch einen erneut deutlich positiven Free Cashflow wesentlich stärken. Ein deutlich ansteigendes Zinsniveau oder eine unerwartet negative Entwicklung des operativen Geschäfts und des dadurch generierten Free Cashflows würde ein Risiko für die verfügbare Liquidität darstellen. Eine Nichteinhaltung der in Finanzierungsverträgen vorhandenen Financial Covenants würde zu einer Rückzahlungspflicht der Finanzverbindlichkeiten führen und damit ein Risiko für die verfügbare Liquidität darstellen.2 Ein kurzfristiger, unerwarteter Wegfall der bestehenden Working Capital Finanzierungsprogramme (Factoring und Lieferantenfinanzierungsvereinbarungen) würde ein Risiko für die verfügbare Liquidität darstellen. Die Verfügbarkeit von Krediten und der Zugang zu den Kapitalmärkten für Refinanzierungsaktivitäten sind für Lenzing im Jahr 2026 wichtig und stellen risikomindernde Faktoren für das Liquiditätsmanagement dar.
Auf der Währungsseite würde sich eine Abwertung des US-Dollars als auch des chinesischen Yuans negativ auf das offene Währungsvolumen von Lenzing auswirken.
In Zusammenhang mit den derzeit von Lenzing durchgeführten Reorganisationsmaßnahmen und damit verbundenen Personalabbauplänen können mittelfristig Risiken hinsichtlich des Verlustes von Know-how entstehen.
Im Bereich der nicht-operativen Risiken sind für Lenzing insbesondere Cybersicherheits-, Datenschutz- sowie weitere compliance-bezogene Risiken von Bedeutung, da diese möglicherweise zu Betriebsstörungen führen oder sich negativ auf die Reputation auswirken könnten. Lenzing steuert diese Risiken mittels präventiver Maßnahmen, einschließlich einer modernen technologischen Infrastruktur, konzernweit implementierten Richtlinien, strukturierter Schulungs- und Weiterbildungsprogrammen sowie einer globalen Organisationsstruktur.
1Quelle: IMF, World Economic Outlook, January 2026
2Für eine detaillierte Beschreibung wird auf die Note 37 im Konzernabschluss verwiesen.
Ziele des Risikomanagements
Der Hauptzweck des Risikomanagements der Lenzing Gruppe besteht in der Sicherung und Stärkung des Unternehmens durch eine adäquate, objektive und transparente Einschätzung der finanziellen, operativen und strategischen Risiken einschließlich jener in Bezug auf den ESG-Themenbereich.
Anhand eines ganzheitlichen und unternehmensweiten Risikomanagementsystems stellt Lenzing die zentrale Risikosteuerung und Überwachung für den Konzern sicher. Gemeinsam mit den operativen Einheiten werden wesentliche Risiken identifiziert und bewertet und in weiterer Folge dem Vorstand und anderen Stakeholdern kommuniziert und transparent dargelegt. Eine proaktive Analyse von potenziellen Risiken ist ebenso Ziel des Risikomanagements, wie die Aufgabe, Risiken aktiv zu steuern und entsprechende Maßnahmen mit den betroffenen Unternehmensbereichen zu evaluieren. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel werden im Rahmen des Risikomanagements klimabezogene Risiken und Chancen und deren kurz-, mittel- und langfristige Auswirkungen auf die Lenzing Gruppe identifiziert und bewertet sowie entsprechende Maßnahmen zur Risikominderung abgeleitet. Damit wird den Anforderungen der ESRS (European Sustainability Reporting Directive) zu klimabezogenen Chancen und Risiken Rechnung getragen.
Risikomanagementstrategie und ‑prozess
Die Risikomanagement-Strategie von Lenzing folgt einem mehrstufigen Ansatz: Mit ihrem Risikoappetit legt Lenzing die allgemeine Einstellung zum Eingehen von Risiken sowie zur Realisierung von Opportunitäten auf verschiedenen Ebenen fest. Risiken, die nicht vertretbar sind oder der Strategie von Lenzing widersprechen, werden vermieden, reduziert oder übertragen. Der Risikoappetit von Lenzing definiert daher auch die Risikotransfer-Strategie der Gruppe, die wiederum den Grad der versicherungstechnischen Risikoeigentragung (Selbstbehalte) der einzelnen Produktionsstandorte bestimmt. Corporate Risk Management führt im Halbjahresrhythmus Risikointerviews mit allen operativen Einheiten und globalen Unternehmensfunktionen. Der Schwerpunkt liegt auf der Beurteilung der kurz- bis mittelfristigen Risiken, während die Analyse klimabezogener Risiken und Chancen auch die langfristigen Aussichten berücksichtigt (siehe auch Kapitel „E1 Klimawandel“ in der nichtfinanziellen Erklärung des Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichts). Die wesentlichen Risiken und eine zunehmende Anzahl an Chancen werden in Lenzings Enterprise Risk Management (ERM) System erfasst und quantitativ bewertet. Die Risiken werden gegen das geplante EBITDA simuliert und die Bandbreite der möglichen Abweichungen zum jeweiligen Budget ermittelt. Lenzing bedient sich dazu einer modernen Simulationssoftware, die auch für die Berechnung der Risiko-KPIs wie den Value at Risk (VaR), das risikobereinigte EBITDA und ROCE sowie das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA herangezogen wird. Risiken, die nicht monetär bewertbar sind, werden qualitativ erfasst.
Je nach Auswirkung auf das Unternehmen wird versucht, Risiken durch entsprechende Maßnahmen zu vermeiden, zu minimieren, zu transferieren oder, in bestimmten Fällen und wenn aus unternehmerischer Sicht erforderlich und sinnvoll, diese auch bewusst einzugehen.
Die ERM-Organisation von Lenzing definiert die Regeln, Rechte und Verantwortlichkeiten innerhalb der Lenzing Gruppe, die für die jeweils zuständigen Stakeholder gelten bzw. von diesen wahrzunehmen sind. Für jeden Produktionsstandort ist ein Risikomanager ernannt, der alle standortspezifischen Risiken und Chancen koordiniert und kommuniziert und darüber im Rahmen des halbjährlichen Risikointerviews Bericht erstattet. Die Zuordnung der Risiken erfolgt gemäß der jeweiligen Betriebsorganisation, wobei jedem Risiko ein sogenannter „Risk Owner“ zugewiesen ist.
Im Berichtsjahr wurde die Funktionsfähigkeit des Risikomanagement-Systems der Lenzing Gruppe von KPMG Austria GmbH gemäß Regel 83 ÖCGK im Rahmen einer sonstigen Prüfung mit begrenzter Sicherheit auditiert und bestätigt.
Die wesentlichen Risiken und Chancen werden dem Vorstand und dem Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats auf halbjährlicher Basis vorgestellt.
Marktumfeldrisiken
Marktrisiko
Als weltweit agierendes Unternehmen ist die Lenzing Gruppe einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt. Die Preis- und Mengenentwicklung ist bei Fasern für Textilien und in geringerem Maße auch bei Fasern für Vliesstoffe zyklisch, da sie von globalen und regionalen Konjunkturlagen abhängig ist. Auf vielen Teilmärkten konkurrieren Lenzing Fasern mit Baumwoll-, regenerierten Cellulose- und synthetischen Fasern. Die Preisentwicklung dieser Produkte, die primär von der allgemeinen Nachfrage und Marktsättigung abhängt, beeinflusst somit auch die Entwicklung der Umsätze und Verkaufsmengen von Lenzing Fasern. Diesem Risiko wirkt die Lenzing Gruppe durch eine stetige Premiumisierung im globalen Produktportfolio sowie einer konsequenten Nachhaltigkeits- und Innovationsstrategie entgegen.
Absatzrisiko
Die Lenzing Gruppe erzielt rund 50 Prozent des Faserumsatzes mit einer mittleren zweistelligen Anzahl an Kunden. Im Zellstoffbereich ist die Kundenkonzentration vergleichsweise höher als im Faserbereich. Abnahmeausfälle bei dieser Kundengruppe oder der gänzliche Verlust eines oder mehrerer Großkunden, ohne zeitgleich Ersatz zu finden, stellen gewisse Risiken dar, denen das Unternehmen durch seine globale Präsenz und die laufende Erweiterung des Kundenspektrums bzw. der Absatzsegmente entgegenwirkt. Der mögliche Ausfall von Kundenforderungen wird durch ein klares Forderungsmanagement und den Einsatz einer weltweiten Kreditversicherung abgedeckt.
Wettbewerbs- und Innovationsrisiko
Die Lenzing Gruppe ist dem Risiko ausgesetzt, ihre Position auf dem Fasermarkt durch einen steigenden Wettbewerb oder neue Technologien von Mitbewerbern zu verlieren. Diesem Risiko steuert Lenzing durch eine für die Branche überdurchschnittliche Forschungs- und Entwicklungstätigkeit, eine hohe Produktinnovationsrate sowie durch ständige Kostenoptimierungen entgegen. Die Lenzing Gruppe sieht sich – ebenso wie andere Hersteller – stets mit dem Risiko konfrontiert, dass alternative Faserprodukte verfügbar werden und zu günstigeren Preisen als regenerierte Cellulosefasern vermarktet werden. Darüber hinaus kann die Wettbewerbsfähigkeit von Lenzing auch durch zusätzliche Handelsbarrieren negativ beeinflusst werden.
Gesetze und Verordnungen
Die Lenzing Gruppe ist auf den weltweiten Märkten mit unterschiedlichen Rechtssystemen und Verordnungen konfrontiert. Eine Änderung von Gesetzen oder sonstigen Bestimmungen wie Importzölle, Produktklassifizierungen, Umweltauflagen etc., sowie die strengere Auslegung von Verordnungen und Gesetzen können zu erheblichen Mehrkosten und zu Wettbewerbsnachteilen führen. Die Lenzing Gruppe unterhält zertifizierte Managementsysteme für Qualitätsmanagement nach ISO 9001, für Umweltmanagement nach ISO 14001 und für Sicherheitsmanagement nach ISO 45001. Die Rechtskonformität im Zusammenhang mit diesen Managementsystemen wird regelmäßig intern als auch extern auditiert.
Aufgrund der fortschreitenden Auswirkungen des Klimawandels auf Gesellschaft und Ökosysteme sind striktere Gesetze und Verordnungen seitens Regierungen und sonstiger Stakeholder zu erwarten. Eine Implementierung regional unterschiedlicher Maßnahmen kann den Erfolg der Lenzing Gruppe negativ beeinflussen. Um auf klimabedingte physische und transitorische Risiken proaktiv reagieren zu können, hat Lenzing im Jahr 2024 erstmalig eine Klimarisikoanalyse durchgeführt.
Risiken und Chancen in Zusammenhang mit ESG
Im Rahmen einer doppelten Wesentlichkeitsanalyse erhebt Lenzing in einem mehrstufigen und holistischen Ansatz wiederkehrend die wesentlichen Themen in Bezug auf ihr nachhaltig ausgerichtetes Geschäftsmodell. Den einzelnen ESG-Themen sind wesentliche Risiken und Chancen zugeordnet, welche sukzessive in das Enterprise Risk Management System integriert und in der langfristigen strategischen Geschäftsplanung von Lenzing berücksichtigt werden.
Im Bereich der ökologischen Verantwortung (Environment) sind vor allem die klimabezogenen Themen im Zusammenhang mit der Klimaerwärmung (CO2-Reduktion) sowie die nachhaltige Rohstoffbeschaffung (Holz, Chemikalien) und die zunehmende Wasserknappheit in gewissen Regionen Schwerpunktthemen. Die zunehmende Regulierung, insbesondere in Bezug auf die Besteuerung von Treibhausgasen und die Bepreisung von Kohlenstoff, stellt für Lenzing ein erhebliches Risiko dar. In den Ländern, in denen Lenzing kohlenstoffintensive Prozesse betreibt, wurden bereits Vorschriften für Treibhausgasemissionen eingeführt. Lenzing arbeitet konsequent an der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen, sowie an der Reduktion der CO2-Emissionen, um dem Umweltschutz Rechnung zu tragen und die Exposition durch Ökosteuern zu verringern.
Holz ist für Lenzing die wichtigste natürliche Ressource für die Herstellung ihrer biologisch abbaubaren Cellulosefasern. Trotz der nachhaltigen Beschaffungspolitik und der rückwärtsintegrierten Produktion besteht das inhärente Risiko, dass die Holzpreise aufgrund des Klimawandels, der weltweit steigenden Nachfrage nach Biomasse und alternativer Landnutzung weiter steigen.
Die globale Textilindustrie, insbesondere die Modeindustrie, in der die Produkte von Lenzing häufig verwendet werden, wird wegen ihres teilweise ressourcenintensiven Rohstoffverbrauchs und ihrer Produktionsprozesse kritisch betrachtet. Lenzing erachtet diese Entwicklung aufgrund ihres Geschäftsmodells mit verantwortungsbewusst hergestellten Fasern und den Zugang zu neuen und aufstrebenden Märkten als Chance.
Die Herstellung von Zellstoff und Fasern ist mit hohem Wasserverbrauch und mit Emissionen in Luft und Wasser verbunden. Lenzing betreibt ein sorgfältiges, globales Wassermanagement, das sowohl die Einhaltung von lokalen Gesetzen als auch weltweiter Standards gewährleistet. Der zunehmenden Wasserknappheit wirkt Lenzing durch eine kontinuierliche Verbesserung der Ressourcennutzung entgegen.
Im Bereich der sozialen Verantwortung (Social) sind die Hauptrisiken für die physische sowie die mentale langfristige Gesundheit und Sicherheit von Mitarbeiter:innen an den eigenen Standorten und entlang der Wertschöpfungskette als auch der Gesellschaft hervorzuheben, denen Lenzing verstärkt mit gezielten Umfragen und Schwerpunktprogrammen entgegenwirkt.
Im Bereich der Unternehmensführung (Governance) sind Risiken wie Cybersicherheits-Vorfälle (siehe „IT-Risiken“) sowie eine mangelhafte Einhaltung der Corporate Governance und daraus resultierende Risiken wesentlich.
Operative Risiken
Beschaffungsrisiko (inkl. Zellstoffversorgung)
Zur Herstellung von Cellulosefasern muss die Lenzing Gruppe große Mengen an Rohstoffen (Holz, Chemikalien) und Energie zukaufen. Die Faserproduktion und deren Margen sind Risiken der Verfügbarkeit und der Preisentwicklung dieser Rohstoffe unterworfen, die zum Nachteil der Lenzing Gruppe schwanken und durch den Klimawandel weiter verstärkt werden können. Diesen Risiken wirkt Lenzing durch eine sorgfältige Auswahl der Lieferanten nach den Kriterien Preis, Zuverlässigkeit und Qualität, EcoVadis-basierten Nachhaltigkeitsbewertungen, den Ergebnissen des Together-for-Sustainability (TfS) Prüfprogramms sowie Lenzing-spezifischer Audits, aber auch durch langjährig ausgerichtete, stabile Lieferanten-Kunden-Beziehungen mit teilweise mehrjährigen oder langfristen Abnahmeverträgen entgegen. Alle Zulieferer sind darüber hinaus verpflichtet, den Globalen Verhaltenskodex der Lenzing für Lieferanten einzuhalten. Dennoch besteht das Risiko von Verstößen mit negativen Auswirkungen auf die Lenzing Gruppe und ihre Stakeholder entlang der Wertschöpfungskette. Lieferkettenrisiken können sich auch aus Störungen ergeben, die durch Naturereignisse ausgelöst werden.
Lenzing ist mit ausgewählten Rohstofflieferanten und Dienstleistungspartnern langfristige Vertragsbeziehungen eingegangen. Diese verpflichten Lenzing dazu, festgesetzte Mengen an Rohstoffen zu standardisierten Konditionen und mit möglichen Preisanpassungsklauseln abzunehmen. Daraus kann für Lenzing resultieren, dass Preise, Abnahmemengen oder andere Vertragsbedingungen nicht unmittelbar an die geänderten Marktbedingungen angepasst werden können.
Betriebliche und Umweltrisiken
Zur Herstellung von regenerierten Cellulosefasern bedarf es komplexer chemischer und physikalischer Vorgänge, die gewisse Umweltrisiken bergen. Durch proaktives und nachhaltiges Umweltmanagement, geschlossene Produktionskreisläufe und laufendes Monitoring der Emissionen werden diese Risiken dank heutiger Produktionstechniken und der Überwachung der Produktionsprozesse durch hochqualifiziertes Personal sehr gut beherrscht. Lenzing arbeitet beständig daran, Sicherheits- und Umweltstandards durch freiwillige Referenzen, wie das EU Ecolabel, zu erhöhen. Da die Lenzing Gruppe seit Jahrzehnten Produktionsstätten an mehreren Orten nutzt, können Risiken für Umweltschäden aus früheren Perioden nicht gänzlich ausgeschlossen werden.
Obwohl die Lenzing Gruppe bei Bau, Betrieb und Erhaltung ihrer Produktionsstandorte sehr hohe Standards im Bereich Technik und Sicherheit anlegt, kann das Risiko von Betriebsstörungen und ‑unfällen nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Solche Störungen können auch von äußeren Faktoren verursacht werden, die sich dem Einflussbereich von Lenzing entziehen. Ein direkter Schutz gegen bestimmte Naturgefahren wie Wirbelstürme, Erdbeben und Überschwemmungen, der über die bestehende Elementarschadenversicherung hinausgeht, ist nicht möglich. Zudem besteht das Risiko von Personen-, Sach- und Umweltschäden sowohl innerhalb als auch außerhalb der Betriebstätten, welche zusätzlich zu beträchtlichen Schadenersatzforderungen und strafrechtlicher Verantwortlichkeit führen können.
Die Lenzing Gruppe hat ihre Produktionstätigkeit auf einige wenige Betriebsstätten konzentriert. Jegliche Störung in einer dieser Betriebsstätten beeinflusst den geschäftlichen Erfolg und die Ziele der Lenzing Gruppe.
Anlagenrisiko
Lenzing ist ein anlagenintensives Unternehmen, das dem Risiko der Alterung von Anlagen oder Anlagenteilen ausgesetzt ist. Es bedarf laufender Investitionen, um diese Anlagen oder Anlagenteile auf dem neuesten Stand der Technik zu halten. Lenzing ergreift im Rahmen von Instandhaltungsinitiativen und Produktivitätsverbesserungen kontinuierlich Maßnahmen, um diesem Risiko entsprechend zu begegnen.
Produkthaftungsrisiko
Die Lenzing Gruppe vertreibt ihre Produkte und Leistungen weltweit. Dabei kann es zu Schäden beim Kunden oder entlang der Lieferkette kommen, welche durch die Auslieferung eines mangelhaften Produktes von Lenzing oder einem Tochterunternehmen verursacht werden. Zudem kann die Produktsicherheit durch Verschmutzung gefährdet sein, die zu Problemen in der Wertschöpfungskette wie zu möglichen gesundheitlichen Folgen für Beschäftigte oder Kunden führen kann. Lenzing unterliegt dabei auch den geltenden lokalen Gesetzen der jeweiligen Länder, in welche die Produkte geliefert werden. Speziell in den USA werden die möglichen Implikationen als sehr schwerwiegend eingeschätzt. Lenzing wirkt diesem Risiko durch angemessene Präventionsmaßnahmen im Produktionsprozess sowie regelmäßiger Qualitätskontrollen als auch einem professionellen Schadensmanagement entgegen. Drittschäden, welche durch Lenzing verursacht werden, sind in einem globalen Haftpflichtprogramm versichert.
Finanzrisiken
Für eine detaillierte Risikobeschreibung der Finanzrisiken wird auf den Konzernabschluss, Note 34 bis 37, verwiesen.
Steuerrisiko
Die Produktionsstandorte der Lenzing Gruppe sind in den jeweiligen Ländern lokalen Steuergesetzen unterworfen und müssen sowohl Ertragsteuern als auch andere Steuern bezahlen. Änderungen in der Steuergesetzgebung bzw. unterschiedliche Auslegungen der jeweils geltenden Bestimmungen können zu nachträglichen Steuerbelastungen führen.
Compliance
Die kontinuierliche Verschärfung internationaler Verhaltensrichtlinien und Gesetze erhöht für Lenzing die Anforderungen zur Einhaltung und Überwachung dieser Bestimmungen. Unzureichende Kontrollen in den Geschäftsprozessen oder mangelnde Dokumentation können zur Verletzung von geltenden Gesetzen oder Regeln führen und die Reputation sowie den wirtschaftlichen Erfolg erheblich gefährden. Lenzing’s Compliance Organisation steuert diese Risiken proaktiv mittels einem gruppenweit gültigen Verhaltenskodex, einer „Anti-Bestechungs- und Korruptions-Richtlinie“, einer „Anti-Geldwäsche-Richtlinie“ und einer „Kartellrechtsdirektive“. Risiken in Zusammenhang mit Datenschutz werden von einem Datenschutzbeauftragten sowie anhand umfangreicher Schulungsprogramme für Mitarbeiter adressiert. Für weitere Informationen zum Thema Compliance siehe Corporate Governance Bericht.
Risiken hinsichtlich geistigen Eigentums
Es besteht das Risiko, dass das geistige Eigentum von Lenzing verletzt wird oder unvollständig geschützt ist. Die Lenzing Gruppe steuert diesen Risiken mittels einer eigenen Abteilung für den Schutz von geistigem Eigentum entgegen.
IT- und OT-Risiken
Lenzing ist in ihrem täglichen Betrieb von Systemen für hochentwickelte Informationstechnologie (IT) abhängig, sowohl in ihren eigenen Produktionsstätten als auch in der gesamten Wertschöpfungskette. IT-Systeme sind anfällig für eine Reihe von Problemen, wie Software- oder Hardware-Fehlfunktionen, böswilliges Hacken oder Cyberangriffe, physische Schäden an wichtigen IT-Zentren und das Auftreten von Computerviren. Folglich kann jede größere Beschädigung, Unterbrechung und/oder Umgehung der bestehenden IT-Systeme den Geschäftsbetrieb beeinträchtigen. Diese Risiken werden durch umfassende technische und organisatorische Maßnahmen sowie durch eine zusätzliche Cyber-Versicherung adressiert.
Neben IT Risiken werden in Lenzing auch Risiken in Zusammenhang mit OT (Operational Technology) Equipment und Prozessen erfasst und bewertet, um potenziellen Betriebsunterbrechungen proaktiv und strategisch entgegenzuwirken.
Personelle Risiken
Personalrisiken können sich aus der Fluktuation von Mitarbeiter:innen in Schlüsselpositionen sowie bei der Rekrutierung von neuen Mitarbeiter:innen an allen weltweiten Standorten ergeben. Diese Risiken könnten durch die von Lenzing durchgeführten Reorganisationsmaßnahmen und damit verbundene Personalabbaupläne zusätzlich verstärkt werden. Die Lenzing Gruppe hat eine global aufgestellte Personalabteilung, die sich in Fragen der Personalplanung mit den jeweiligen Standorten abstimmt, sowie sämtliche Personalthemen zentral steuert und kontrolliert.
Mitarbeiter:innen der Lenzing Gruppe sowie Arbeiter:innen und Angestellte von Fremdfirmen sind in den Produktionsstätten einem potenziellen Verletzungsrisiko ausgesetzt. Das Sicherheits- und Gesundheitsprogramm der Lenzing berücksichtigt dieses Risiko und enthält einen strategischen Ansatz für Gefahrenminderung, Präventionsmaßnahmen und ausgiebige Schulungen. Für mehr Informationen siehe nichtfinanzielle Erklärung des Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichtes der Lenzing Gruppe.
Risiken im Zusammenhang mit Großprojekten
Großprojekte bergen das inhärente Risiko einer Kosten- und Zeitüberschreitung, denen Lenzing mit einem standardisierten Planungsprozess, konsequenten Projektmanagement, laufenden Kostenkontrollen sowie Versicherungslösungen und Risikotransfer entgegenwirkt.
Risiken aus externer Sicht und sonstiger Stakeholder
Als globales Unternehmen ist sich die Lenzing Gruppe ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Die im Risikobericht erwähnten Risiken beziehen sich hauptsächlich auf die Wirkung gegenüber den Vermögenswerten und Ergebnissen der Lenzing Gruppe. Als einer der Nachhaltigkeitsführer der Branche strebt die Lenzing Gruppe ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen von Gesellschaft, Umwelt und Ökonomie an. Diese Verantwortung übernimmt das Unternehmen insbesondere auch in Bezug auf mögliche Auswirkungen der Betriebstätigkeit auf Anrainer:innen der Produktionsstandorte sowie gegenüber der gesamten Gesellschaft. Aktive Stakeholder-Arbeit zur Minimierung der Risiken (Partnerschaften für den systemischen Wandel) und zur Schaffung von Zusatznutzen für Mensch und Umwelt sind klare Ziele der Innovations- und Geschäftstätigkeit der Lenzing Gruppe. Gemeinsam mit ihren Partnern arbeitet die Lenzing Gruppe daran, die Risiken für Stakeholder zu verstehen und Lösungen zur Minimierung der Risiken zu finden. Dies erfolgt durch offene Kommunikation und Transparenz genauso wie durch die ständige Verbesserung der Technologien und nachhaltige Praktiken.