Strategie
[ESRS E1-1]
Klimaaktionsplan
[E1-1 16a, 16g]
Im Einklang mit dem 1,5-°C-Ziel des Übereinkommens von Paris und dem SDG 13 der UN hat sich Lenzing ehrgeizige kurz- und langfristige wissenschaftlich fundierte Ziele (SBTs) gesetzt. Bis 2030 will das Unternehmen die absoluten THG-Emissionen in Scope 1 und 2 um 42 Prozent und in Scope 3 um 25 Prozent reduzieren (Bezugsjahr 2021). Lenzing hat einen Klimaaktionsplan bis 2030, der in der folgenden Box vorgestellt wird. Darüber hinaus strebt Lenzing an, bis 2050 Netto-Null-THG-Emissionen zu erreichen. Die Lenzing Gruppe ist im Paris-abgestimmten EU-Referenzwert enthalten.
Klimaaktionsplan
[E1-1 14]
Lenzing bekennt sich zu ihren SBTs und hat eine entsprechende Roadmap bis 2030 umgesetzt. Diese Roadmap wird regelmäßig aktualisiert, um die Weiterentwicklung technischer Optionen und sich verändernde Marktbedingungen zu berücksichtigen.
Klimaaktionsplan1
Abstimmung auf die Unternehmensstrategie
[E1-1 16h, 16i, 17]
Lenzings Unternehmensstrategie integriert Klimaschutzziele in die strategische Entscheidungsfindung. Der vom Vorstand genehmigte Klimaaktionsplan für den Klimaschutz ist Bestandteil der langfristigen Unternehmensstrategie von Lenzing. Projekte werden im Rahmen der Entscheidungsfindung des Vorstands auf ihren Nutzen und ihren Beitrag zu den Auswirkungen des Klimawandels geprüft. Im jährlichen mittelfristigen Planungs- und Budgetierungsprozess (MTP) werden Projekte im Hinblick auf ihre Relevanz für den Klimaaktionsplan und ihre THG-Emissionen bewertet. Die Ergebnisse dienen als zusätzliche Entscheidungskriterien. Lenzing arbeitet aktuell daran, den Plan zu stärken, um die formalen Anforderungen eines Übergangsplans gemäß den Europäischen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESRS) bis 2028 zu erfüllen.
[E1-1 16b, 16c, MDR-A 69b]
Lenzing hat an ihrem Viscosestandort in Nanjing (China) rund EUR 30 Mio. investiert, um von Kohle auf Erdgas umzustellen. Darüber hinaus hat Lenzing mehrere andere klimabezogene Initiativen umgesetzt. Unter anderem bezieht sie an sieben Produktionsstätten weltweit erneuerbare Energien aus dem Netz und für ihr Lyocellwerk in Prachinburi (Thailand) über 70 Prozent des Energiebedarfs aus Biomasse. Durch diese Initiativen sind die Betriebsausgaben (OpEx) der Gruppe gestiegen. Dank dieser Maßnahmen kann Lenzing Premiumprodukte mit einem geringen CO2-Fußabdruck anbieten. Zusätzlich steht Lenzing in kontinuierlichem Austausch mit ihren Lieferanten, um über langfristige Verträge Rohstoffe mit geringem CO2-Fußabdruck zu beschaffen. Im Einklang mit ihren SBTs und dem Klimaaktionsplan werden kontinuierlich Möglichkeiten geprüft, um die Dekarbonisierung der Standorte von Lenzing und der Lieferkette in verschiedenen Ländern fortzusetzen (siehe Roadmap für die wichtigsten Hebel). So erwägt Lenzing beispielsweise eine Investition an ihrem Standort Heiligenkreuz (Österreich) in ein Projekt, das den Verbrauch fossiler Brennstoffe und die Treibhausgasemissionen erheblich reduzieren würde. Nähere Informationen zu den wichtigsten Maßnahmen, die entlang den Dekarbonisierungshebeln beschrieben sind, finden Sie im Abschnitt „Maßnahmen“ in diesem Kapitel.
Status und Hindernisse
[E1-1 16j]
Derzeit erschwert unter anderem eine angespannte Marktlage die Umsetzung entscheidender Elemente des Aktionsplans. Hierzu zählen die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von netzbasiertem Strom aus erneuerbaren Quellen sowie die Kostenunterschiede zwischen erneuerbaren Brennstoffen (wie grünem Wasserstoff und Ammoniak) und Energie aus fossilen Energieträgern. Weitere Hindernisse sind die fehlenden gleichen Wettbewerbsbedingungen für Produkte mit geringem CO2-Fußabdruck sowie die eingeschränkte Bereitschaft von Geschäftspartnern, Kosten und Risiken von Investitionen zu teilen.
Lenzing arbeitet zusammen mit Partnern und politischen Entscheidungsträger:innen daran, Lösungen für diese Hindernisse zu finden, Anreize für die Umsetzung von Klimaaktionsplänen zu schaffen und die Transformation der Branche zu unterstützen.
Das bisherige funktionsübergreifenden Projektteam bleibt bestehen und ist dafür zuständig, die Dekarbonisierungsstrategie von Lenzing mit der globalen Projektleitung und der Unterstützung des Chief Pulp & Technology Officer (CPO) umzusetzen. Das Projektmanagement umfasst einen Lenkungsausschuss, der eine Abstimmung zwischen allen Entscheidungsträger:innen und Funktionen ermöglicht, Entscheidungen beschleunigt und die Zustimmung der verschiedenen Verantwortlichen für zentrale Projekte, Standorte und Funktionen sicherstellt. Die globale Projektleitung trägt die operative Verantwortung für die Koordination der Roadmap‑Entwicklung und die Bereitstellung von Best‑Practice‑Ansätzen zur Umsetzung der Klimaziele auf Standort‑ und Gruppenebene. Darüber hinaus unterstützt diese Rolle die Funktionen bei der Integration klimabezogener Überlegungen in wesentliche Geschäftsentscheidungen. Zur Sicherstellung von Engagement und Eigenverantwortung sind die Produktionsstandorte und Funktionen für die mittel‑ bis langfristige Entwicklung und Umsetzung ihrer Roadmaps zuständlich. Die globale Projektleitung übernimmt dabei eine unterstützende und koordinierende Rolle.
Gebundene Treibhausgasemissionen
[E1-1 16d]
Lenzings Kohlekessel am Standort in Purwakarta (Indonesien) und die Müllverbrennungsanlage am Standort in Lenzing (Österreich) werden über ihre Betriebsdauer in Zukunft erhebliche gebundene THG-Emissionen verursachen. Diese könnten das Erreichen der kurzfristigen und wissenschaftlich fundierten Netto-Null-Ziele gefährden, wenn die derzeitige Infrastruktur nicht geändert wird. Der Austausch der Kohlekessel gegen neue, mit alternativen Brennstoffen kompatible Anlagen könnte die Risiken erheblich mindern und die THG-Emissionsreduktionsziele unterstützen. Gleichwohl verbleiben zahlreiche Hindernisse und Herausforderungen, die mit Unterstützung von Geschäftspartnern und Initiativen angegangen werden müssen (siehe Abschnitt „Status und Hindernisse“).
Hebel zur Erreichung wissenschaftlich fundierter Ziele
[E1-1 16b]
Zur Reduzierung der Scope 1, Scope 2 und Scope 3 Emissionen setzt Lenzing unterschiedliche Hebel ein, die sich an der technischen Machbarkeit orientieren (siehe hierzu Abbildung „Hebel zur Erreichung wissenschaftlich fundierter Ziele“). Nähere Informationen zu den wichtigsten Maßnahmen, die nach den Dekarbonisierungshebeln beschrieben sind, finden Sie im Abschnitt „Maßnahmen“ in diesem Kapitel.