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Forschung und Entwicklung

Stetige Innovationen sind ein entscheidender Werttreiber des Geschäftsmodells der Lenzing Gruppe. Es wird gezielt die Entwicklung neuer Produkte, Anwendungen, Prozesse und Techniken zur Marktreife vorangetrieben, um damit Mehrwert für Kunden, Steigerung von Effizienz sowie Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistung zu erreichen. Innovation wird als wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie von vielen Bereichen im Unternehmen spezifisch vorangetrieben. Die Abteilung Global Innovation, in der auch die F&E Infrastruktur (Labore und Pilotanlagen) angesiedelt ist, ist insbesondere für technologische Entwicklungen sowie die Innovationsgruppen Textilien und Vliesstoffe zuständig. In enger Vernetzung arbeiten diverse Gruppen bereichsübergreifend im Konzern mit den Technologiegruppen, der Nachhaltigkeitsabteilung oder den Produktionsbereichen zusammen, um die Innovationskraft der Lenzing weiter auszubauen und Entwicklungen rasch und zielgerichtet umsetzen zu können.

Im Jahr 2025 waren die Innovationsaktivitäten verstärkt auf die spezifischen Anforderungen der Kunden und auf das Ziel, Entwicklungen rasch umzusetzen, ausgerichtet. Weiters wurden im Rahmen des Perfomance Programms Produktionsbereiche intensiv mit verschiedensten Debottlenecking- und Prozessoptimierungsmaßnahmen unterstützt. Dabei wurden neben Kapazitätssteigerungen auch verbesserte Effizienz und Qualität sowie gesenkter Energieverbrauch erreicht. Die wichtigsten Kennzahlen für Innovation waren für das Berichtsjahr 2025 wie folgt: In den verschiedenen Innovationsbereichen waren insgesamt 197 Mitarbeiter:innen tätig (nach 205 Mitarbeiter:innen Ende 2024). Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, berechnet nach Frascati (abzüglich erhaltener Förderungen), beliefen sich auf EUR 31,7 Mio. (nach EUR 30,4 Mio. im Jahr 2024). Die Produkte und Technologien der Lenzing Gruppe waren Ende 2025 durch 944 Patente und Patentanmeldungen aus 140 Patentfamilien in 40 Ländern und Organisationen geschützt. Darüber hinaus wurden im Jahr 2025 die Weichen für strategische Investitionen von über EUR 100 Mio. an den österreichischen Standorten Lenzing und Heiligenkreuz gestellt. Dieses Investitionspaket für Innovation und Nachhaltigkeit sichert langfristig die Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität der beiden Standorte.

F&E-Ausgaben (nach Frascati)

in EUR Mio.

F&E-Ausgaben (nach Frascati) in EUR Mio. (Balkendiagramm)

2025 wurde Lenzing für den österreichischen Staatspreis Patent in der Spezialkategorie Matilda nominiert. Dieser ehrt Unternehmen, die besonderes Augenmerk auf die Förderung von Frauen im Innovationsbereich legen. Beurteilt wird u. a. nach folgenden Kriterien: gezielte Förderung von Frauen, fortschrittliche Unternehmensphilosophie, Abbau von Rollenstereotypen, Frauenanteil in Führungspositionen und in wissenschaftlichen sowie technischen Bereichen. Die Forschungsabteilung von Lenzing ist eine Vorzeigeabteilung, was das Thema DEI (Diversity, Equity, Inclusion) betrifft. Der Frauenanteil ist hier deutlich höher als im Durchschnitt der Lenzing Gruppe und im Führungsteam liegt er sogar über 50 Prozent. Auch in den Produktionsschichtteams wird der Frauenanteil stetig erhöht und im Zuge des Projekts „Frauen in die Technik“ werden Chemieverfahrenstechnikerinnen ausgebildet. Eine Kennzahl, die nicht nur innerhalb des Konzerns, sondern auch international bemerkenswert ist, ist der Anteil an Erfinderinnen an den Patenten von Lenzing. Dieser beträgt 47,5 Prozent, dem gegenüber liegt der durchschnittliche österreichische Frauenanteil bei Patenten bei 8 Prozent und der EU-Schnitt bei 13,2 Prozent.

Effizienzsteigerung und Prozessoptimierung

Im Bereich Zellstoff wurde der Einfluss des Einsatzes unterschiedlicher Holzarten auf den Produktionsprozess und die Produktqualität zur Erzielung des maximalen Ertrags untersucht. Zudem wurden sowohl im Bereich der Zellstoffkochung als auch in der Zellstoffbleiche zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, um die Effizienzen der Prozesse gezielt zu erhöhen, die Chemikaliendosierungen zu reduzieren und den Energiebedarf zu senken. Prozesssimulationen in Kombination mit umfangreichen statistischen Versuchsprogrammen liefern die Voraussetzung, die Erträge zu steigern und die Qualitätsparameter auf konstant hohem Niveau zu halten. Ein wichtiger Fokus lag in der Identifikation und Analyse von diversen Prozessströmen, um das Potenzial zur Produktion zusätzlicher, neuer Co-Produkte zu evaluieren.

Die Industrialisierung der Kreislaufwirtschaft war ein weiterer Schwerpunkt der F&E‑Aktivitäten im Jahr 2025. Die strategische Partnerschaft mit Södra wird im EU‑geförderten Projekt LIFE TREATS konsequent weitergeführt und zielt auf die effiziente Aufbereitung komplexer Post‑Consumer‑Textilabfälle ab. In Pilotkampagnen konnte das für die Lyocellfaser‑Produktion benötigte Qualitätsniveau erreicht werden. Die ist eine zentrale Voraussetzung, um Lyocellfasern aus Recycling-Material im industriellen Maßstab produzieren zu können. Die Kooperation mit Södra wurde inhaltlich vertieft und operativ erweitert: es wurden Rohstoffspezifikationen für die Sortierung von Alttextilien erarbeitet und die Abtrenntechnologien für Elastan‑ und Polyamidfasern verbessert. Dank der Weiterentwicklung von Spezialanalytik (u. a. zur Störstoffcharakterisierung) ist es nun möglich, Störstoffe präziser zu definieren und die Zellstoff‑Spezifikationen zu schärfen. Flankierend wurde das IP‑Portfolio im Textil‑Recycling zur Absicherung des Wettbewerbsvorteils ausgebaut. Zudem wurde das Netzwerk im Bereich Textilrecycling ausgebaut, um gemeinsam Lösungen für das komplexe Thema zu entwickeln.

Parallel zum Textilrecycling gab es auch eine Vielzahl an Aktivitäten um aus alternativen Rohstoffquellen (z. B. landwirtschaftlichen Abfallstoffen) Zellstoffe für die Faserherstellung zu gewinnen. Ähnlich wie beim Textilrecycling setzt Lenzing auch hier auf intensive Kooperationen, in denen die Einsetzbarkeit solcher Zellstoffe für den Faserprozess untersucht werden.

In einigen Projekten wurde auch an der Verwendung verschiedenster Membrantechnologien im Bereich Rückgewinnung, aber auch Abwasseraufbereitung gearbeitet. Membrantechnologien stellen nicht nur hochselektive Alternativen zu bestehenden Technologien dar, sondern tragen auch zu einer deutlichen Reduktion des CO2 Fußabdrucks bei.

Durch die stetig zunehmende Elektromobilität wird mittelfristig eine signifikante Überkapazität an Natriumsulfat, eines der Nebenprodukte aus dem Viscoseprozess, aufgrund des Abbaus von Lithium aber auch durch die Batterieherstellung und dem Batterierecycling erwartet. In einem Entwicklungsprojekt beschäftigt sich Lenzing gemeinsam mit Partnern an der elektrochemischen Spaltung von Natriumsulfat zur Herstellung von Natronlauge und Schwefelsäure, beides essenzielle Chemikalien zur Herstellung von Viscosefasern.

Innovative neue Fasertypen und ‑technologien

Im Rahmen von diversen Projekten zur Produktion innovativer Spezialfasern wurde gemeinsam mit anderen Innovationsbereichen sehr intensiv an der Entwicklung spezieller Spinndüsen gearbeitet. Dies unterstützt die Premiumisierung in der Unternehmensstrategie, in Zukunft noch stärker auf die Produktion von Spezialfasern und deren Applikation zu fokussieren.

Die Entwicklung von speziellen Fasertypen sowie deren Einsatz in ausgewählten Anwendungen war ein Schwerpunkt im Bereich der Innovation für Vliesstofffasern. Diese Entwicklungen erfolgten in enger Abstimmung mit unseren Direktkunden und deren Kunden, um schon im Entwicklungsprozess die Markttauglichkeit sicherzustellen.

Eine der neu entwickelten Typen sind Lyocellfasern mit flachem (anstelle des üblichen runden) Querschnitt. Der flache Querschnitt bringt neue bzw. andere Eigenschaften wie verbesserten Flüssigkeitstransport mit sich. Die Faser wurde 2025 auf dem Global Fiber Congress in Dornbirn vorgestellt. Eine Reihe von Kundenanfragen nach dieser Spezialfaser zeigen bereits Marktinteresse. 2025 konnte die Produktionsrate dieser Flachfaser um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden, wodurch die Fasern für kundenseitige Produktentwicklungen noch attraktiver werden.

In einer Kooperation mit adidas konnte gezeigt werden, dass Produkte aus Lyocellfasern (ähnlich wie Baumwolle) chemisch wieder zu Lyocellfasern recycled werden können. Stoffe aus 100 Prozent Lyocell wurden aufgelöst, die synthetischen Farbstoffe entfernt und neue Fasern hergestellt – ohne Bleiche und unter Beibehaltung des ungefärbten Farbtons der Faser. Diese Fasern wurden zu Garn gesponnen und zu einem Prototyp-Pullover verarbeitet – schlicht, natürlich und kreislauffähig.

Auch beim Produkt TENCEL™ Luxe Filament sowie der LENZING™ Nonwoven Technology (LNT), die beide auf dem Lyocell Verfahren basieren, wurden 2025 die Entwicklungen weiter vorangetrieben. Neben der kontinuierlichen technologischen Weiterentwicklung, mit dem Ziel von Anlagen im industriellen Maßstab, war die Marktentwicklung ein wesentlicher Schwerpunkt. LNT-Material wurde 2025 zum ersten Mal in einem im Handel erhältlichen Produkt eingesetzt. Aktuell wird evaluiert, wie das Produkt am Markt ankommt und wie die Performance im realen Einsatz ist. Die Pipeline der LNT-Anwendungen reicht damit nun von bereits am Markt erhältlichen Produkten bis hin zu neuen Applikationen, die 2025 erstmals und erfolgreich getestet wurden.

Neben der bilateralen Zusammenarbeit mit aussichtsreichen Kunden wird ein wesentlicher Teil der Entwicklung bei TENCEL™ Luxe Filament auch im Rahmen von EU Projekten abgehandelt. Das 2024 gestartete Projekt CELLFIL beschäftigt sich mit der Herstellung von Lyocell-Filamenten und deren Anwendungen. Hier ist Lenzing einer der Hauptpartner und fungiert auch als wissenschaftlicher Koordinator. Auch im Projekt ESCIB, in dessen Rahmen neue Methoden zur Nachhaltigkeitsbewertung (speziell für biobasierte und zirkuläre Materialien) entwickelt werden, ist Lyocell Filament als einer der Use Cases vertreten.

Eine weitere, neue Technologie bei der sich Lenzing engagiert, ist das neuartige Verfahren zur Faserproduktion des schwedischen Cellulosefaserunternehmens TreeToTextile AB. Hier erwarb Lenzing 2024 eine Minderheitsbeteiligung und begründete damit eine strategische Partnerschaft zur Entwicklung von Cellulosefasern der nächsten Generation. Die preisgekrönte Technologie und das Produktionsverfahren von TreeToTextile, die die Umweltbelastung deutlich reduzieren, entsprechen Lenzings Engagement für Nachhaltigkeit.

Im Februar 2026 erhöhte die Lenzing Gruppe ihre bestehende Beteiligung an TreeToTextile AB und übernahm damit die kontrollierende Mehrheit. Mit der Mehrheitsübernahme unterstreicht Lenzing ihren Anspruch, die Premiumisierungsstrategie konsequent voranzutreiben und ihre führende Rolle im globalen Markt für Spezialfasern weiter auszubauen. Die Transaktion ermöglicht eine beschleunigte Skalierung der neuen Technologie. Lenzing plant sowohl eine deutliche Steigerung des Produktionsausstoßes in der bestehenden Demonstrationsanlage in Nymölla, Schweden, als auch die Vorbereitung der ersten industriellen Großanlage.

Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) spielt für die Lenzing Gruppe eine immer wichtigere Rolle – auch für Innovationsprojekte. So setzt Lenzing bereits erfolgreich KI-Systeme in ihren Produktionsanlagen ein. Neu dazugekommen sind im Jahr 2025 auch KI-basierte Lösungen, um Arbeitsabläufe in Labors zu beschleunigen und zu automatisieren.

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