Allgemeines Marktumfeld
Weltwirtschaft1
Der Internationale Währungsfonds (IWF) berichtet für 2025 ein stabiles Wachstum der Weltwirtschaft von 3,3 Prozent und damit weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenschnitt (Durchschnitt der Jahre 2000–2019: 3,7 Prozent). Der IWF zeichnet das Bild eines robusten, aber gedämpften Aufschwungs, einerseits gestützt durch Investitionen – etwa in digitale Infrastruktur und Künstliche Intelligenz – sowie eine etwas gelockerte Geldpolitik, jedoch andererseits belastet durch multiple geopolitische Krisen, Verwerfungen im Welthandel, und knappem fiskalischem Spielraum. Die große Ungleichheit zwischen den Weltregionen blieb auch 2025 bestehen: In den USA sorgten starke Technologieinvestitionen für ein kräftiges Wachstum von 2,1 Prozent, während die Eurozone, gebremst durch strukturelle Schwächen und eine belastete Industrieproduktion in 2025 ein moderates Wachstum von 1,4 Prozent verzeichnete. China erreichte 2025 ein Wachstum von 5 Prozent, unterstützt durch Stimulusmaßnahmen und erhöhte Kreditvergaben staatlicher Banken. Insgesamt zeigte die Weltwirtschaft eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit trotz Unsicherheiten und handelspolitischer Spannungen. Die Energiepreise entspannten sich leicht, während strukturelle Herausforderungen in mehreren Regionen bestehen blieben. Die politischen und geopolitischen Risiken sorgten für Unsicherheit und belasteten das Vertrauen. Für das Jahr 2026 geht der IWF von einem gleichbleibenden Wachstum von 3,3 Prozent aus.
Die Textil‑ und Bekleidungsindustrie zeigte 2025 eine schwache Nachfrage und rückläufige Auftragseingänge. Die globale Geschäftslage blieb in allen Erhebungen der International Textile Manufacturers Federation (ITMF2) negativ und verschlechterte sich über das Jahr hinweg. Kapazitätsauslastungen verharrten auf niedrigem Niveau, was den anhaltenden Nachfragemangel widerspiegelte. Während Hersteller in der ersten Jahreshälfte vor allem in den USA Lagerstände aufbauten, um möglichen Zöllen zuvorzukommen, reagierten sie in der zweiten Jahreshälfte mit vorsichtigeren Bestellungen.
Weltfasermarkt3
Die weltweiten Bekleidungsumsätze legten 2025, bereinigt um Preiseffekte, nur leicht zu und blieben insgesamt verhalten. In den USA sorgten vorgezogene Käufe wegen erwarteter Zölle für einen spürbaren kurzfristigen Nachfrageimpuls. Europa zeigte eine deutlich schwächere Entwicklung mit eher gedrückter Stimmung im Modehandel. China blieb trotz niedriger Konsumentenstimmung stabil und profitierte punktuell von staatlichen Maßnahmen.
In der ersten Jahreshälfte nahmen die Lagerbestände entlang der gesamten Wertschöpfungskette deutlich zu. Händler und Marken vor allem in den USA bauten ihre Bestände durch frühere Wareneingänge und schnellere Transporte in Erwartung höherer Zölle auf. Im dritten Quartal blieben die Lagerstände erhöht, bedingt durch vorsichtigere Nachfrage und strategische Bevorratung. Insgesamt lagen die globalen Bestände klar über dem Vorkrisenniveau und spiegelten anhaltende Unsicherheit im Markt wider. Das Wachstum im Heimtextilmarkt blieb auch 2025 hinter dem Bekleidungsmarkt zurück. Die Auswirkungen auf das Textilfasergeschäft von Lenzing werden im Kapitel Geschäftsentwicklung der Divisionen unter Fasern für Textilien näher beschrieben.
Die Einzelhandelsabsätze von Hygieneprodukten in der Vliesstoffindustrie wuchsen aufgrund demografischer Entwicklungen trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten. Die Steigerung ist vor allem auf das Bevölkerungswachstum in Asien zurückzuführen und fiel dementsprechend in Europa und den USA schwächer aus.
Überblick der Faserarten am Weltmarkt
(Vereinfachte Darstellung)
Wachstum der globalen Faserproduktion stabil
Die weltweite Faserproduktion stieg 2025 basierend auf ersten Schätzungen um etwas mehr als 4 Prozent auf 133 Mio. Tonnen. Das Wachstum lag damit etwas über dem langjährigen Durchschnitt und ist primär auf eine höhere Produktion von Polyester- sowie Lyocellfasern in China zurückzuführen sowie eine besonders ertragreiche Baumwollernte in der Saison 2024/2025.
Die globale Baumwollernte erreichte in der abgelaufenen Saison 2024/25 mit 25,8 Mio. Tonnen einen außergewöhnlich hohen Wert durch rekordhafte Erträge in China und einem weiteren Ausbau der Anbauflächen in Brasilien. Die weltweite Nachfrage nahm ebenfalls leicht auf 25,1 Mio. Tonnen zu, blieb jedoch aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten und dem Druck durch preisgünstigere synthetische Alternativen leicht hinter dem Angebot zurück. Der internationale Baumwollhandel wurde durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China gebremst. In Summe gab es kaum eine Änderung bei den globalen Vorräten, die sich zum Ende der Saison auf ca. 15,9 Mio. Tonnen beliefen. Die Produktion anderer Naturfasern wie Wolle, Leinen, Hanf und Seide sank um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Die Produktion von regenerierten Cellulosefasern wie Lyocell-, Modal- und Viscosefasern stieg nach ersten Schätzungen um rund 4 Prozent auf rund 8,7 Mio. Tonnen. Während die weltweite Produktion von Viscosefasern weitgehend stagnierte, erhöhte sich der Ausstoß von Lyocell- und Modalfasern um einen zweistelligen Prozentsatz.
Bei Fasern aus synthetischen Polymeren betrug die Produktionsmenge nach ersten Schätzungen rund 92,7 Mio. Tonnen und lag damit 4 Prozent über dem Vorjahreswert. Das Wachstum ist im Wesentlichen auf einen höheren Ausstoß in China zurückzuführen.
Weltweite Faserproduktion 20251
Faserarten in Prozent (Basis = 133 Mio. to)
Stapelfaserpreise uneinheitlich
Die Preise für Stapelfasern standen aufgrund schwacher Nachfrage unter Druck. Globale wirtschaftliche Unsicherheiten sowie die Folgen der schwächeren aber immer noch spürbaren Inflation belasteten verfügbare Einkommen. Dies verstärkte den Trend zu niedrigpreisigen synthetischen Fasern.
Die Baumwollpreise entwickelten sich weniger volatil als im Vorjahr, blieben jedoch auf niedrigem Niveau. Dies lag zum einen an der generell niedrigen Nachfrage nach Textilien, aber auch an einer hohen Ernte in China. Außerdem stieg die Verfügbarkeit günstiger Baumwolle aus Brasilien. Der Cotlook A-Index lag zu Beginn des Jahres bei 79 US-Cent pro Pfund, stieg in Erwartung eines möglichen Handelsabkommens, das auch substanzielle Baumwollimporte Chinas aus den USA umfasst hätte, im zweiten Quartal auf 81 US-Cent pro Pfund, fiel dann jedoch wieder, als das Handelsabkommen nicht zu Stande kam. Am Jahresende stand der Cotlook A-Index bei 74 US-Cent pro Pfund, ein Verlust von 6 Prozent im Jahr 2025.
Der Preis für Polyester-Stapelfasern wurde hauptsächlich durch die Entwicklung der Rohstoffkosten bestimmt. Entsprechend führten makroökonomische Ereignisse, die eine Verknappung des Rohölangebots vermuten ließen, zu kurzzeitigen Preisspitzen. Da jedoch insbesondere die chinesischen Produzenten mit hoher Auslastungsrate Polyester-Stapelfasern produzierten und es deshalb reichhaltiges Angebot gab, sanken die Preise über das Jahr von RMB 7.030 pro Tonne um 6 Prozent auf RMB 6.610 pro Tonne. Das hohe Angebot und die niedrigen Preise für chinesische Polyester-Stapelfasern führten auch zu einer Zunahme an Exporten, was den Druck auf andere Faserarten erhöhte.
Nach der positiven Entwicklung im Vorjahr folgten die Viscosepreise in China 2025 einem negativen Trend. Trotz kurzzeitiger saisonbedingter Erholung im Februar und September, standen sie zum Jahresende 7 Prozent unter dem Jahresbeginn bei RMB 12.720 pro Tonne. Diese Entwicklung reflektiert vor allem die fallenden Faserzellstoffpreise. Trotz der reduzierten Preise verbesserte sich die wirtschaftliche Lage nicht rückwärts integrierter Hersteller in China, da sich die Herstellkosten dort noch stärker verringerten als die Marktpreise.
Das Preispremium für Lenzings differenzierte Spezialfasern der Marken TENCEL™, LENZING™ ECOVERO™ und VEOCEL™ gegenüber Commodity-Fasern erwies sich als vergleichsweise widerstandfähig, allerdings verzeichneten auch die Preise für Lenzing Fasern einen Rückgang über das Jahr hinweg.
Der chinesische Importpreis für Faserzellstoff, dem Schlüsselrohstoff für die Produktion von regenerierten Cellulosefasern kam in der ersten Jahreshälfte unter Druck und stabilisierte sich danach. Ende Dezember stand er mit USD 785 pro Tonne 19 Prozent niedriger als am Jahresanfang. Steigendes Angebot vor allem durch Kapazitätserweiterungen in Südamerika sowie das Premium gegenüber Papierzellstoff, welches eine Produktionsumstellung von Papierzellstoff auf Faserzellstoff attraktiv machten, führten zu Preiszugeständnissen der Zellstoffproduzenten. Das Preispremium für Faserzellstoff sank zum Jahresende auf ungefähr USD 223 pro Tonne.
Stapelfaserpreise – Entwicklung in China1
USD/kg (exkl. USt.)
1Quelle: IWF, World Economic Outlook, Jänner 2026
2Quelle: ITMF, Global Textile Industry Surveys 2025
3Sämtliche Produktionszahlen in diesem Kapitel wurden gegenüber den im Geschäftsbericht 2024 angeführten ersten Schätzungen aktualisiert. Quellen: The Fiber Year, ICAC, Cotton Outlook, CCFG, FAO