Geschäftsentwicklung der Lenzing Gruppe
Die Geschäftsentwicklung der Lenzing Gruppe war insbesondere im zweiten Halbjahr 2025 von mehreren, externen Faktoren wie internationalen Zollmaßnahmen und daraus resultierende Unsicherheit in der textilen Wertschöpfungskette sowie verhaltener Nachfrage und sinkenden Marktpreisen, negativ belastet. Trotz dieser Herausforderungen konnte das Unternehmen im Jahr 2025 ein höheres EBITDA als im Vorjahr und eine Verbesserung des Free Cashflows erzielen. Dies ist maßgeblich auf das ganzheitliche Performance Programm zur Steigerung von Profitabilität und Optimierung des Cash-Managements zurückzuführen. Neben den Effekten aus dem Performance Programm trugen auch der Verkauf überschüssiger EU-Emissionszertifikate sowie Umsatzerlöse aus Zellstoffverkäufen am externen Markt positiv zur Ergebnisentwicklung bei.1
Die Marktpreise für Stapelfasern waren im Jahr 2025 aufgrund der verhaltenen Nachfrage, insbesondere im zweiten Halbjahr, unter Druck und auch die Preise für Faserzellstoff sanken im Jahresverlauf maßgeblich. Dies in Kombination mit nach wie vor hohen Kosten für Rohstoffe, Energie und Logistik dämpften zusätzlich die Geschäftsentwicklung der Lenzing Gruppe. Als Reaktion auf das schwierige Marktumfeld passte Lenzing Produktionskapazitäten an, um die Entwicklung des Trading Working Capital zu verbessern und den Cashflow zu stärken.
Die Ergebnisentwicklung der Lenzing Gruppe war darüber hinaus von einer Abschreibung beeinflusst, die sich negativ auf das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) auswirkte. Für den Standort in Indonesien werden strategische Optionen geprüft, einschließlich eines möglichen Verkaufs. In diesem Zusammenhang wurden nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen auf langfristige Vermögenswerte, insbesondere Sachanlagen, in Höhe von EUR 82 Mio. vorgenommen. Die Abschreibung belastet das EBIT, hat jedoch keinen Einfluss auf das EBITDA.
Im Jahr 2025 gab Lenzing folgende, personelle Veränderungen im Vorstand bekannt. Chief Transformation Officer Walter Bickel beendete sein zeitlich befristetes Mandat vorzeitig mit Ende März 2025. Nach dem Ausscheiden von Walter Bickel, verstärkte ab 01. Juni 2025 Georg Kasperkovitz als Chief Operations Officer den Vorstand der Lenzing AG.
CEO Rohit Aggarwal legte sein Vorstandsmandat aus persönlichen Gründen mit 31. Januar 2026 nieder. Seit dem Ausscheiden von Rohit Aggarwal wird das Unternehmen von einem dreiköpfigen Vorstandsteam, bestehend aus CFO Mathias Breuer, COO Georg Kasperkovitz und CPO/CTO Christian Skilich geführt. Im Zuge des Ausscheidens von Rohit Aggarwal wurde zudem ein Executive Committee zur organisatorischen Weiterentwicklung und zum Vorantreiben der Premiumisierungsstrategie, bestehend aus den drei Vorständen und den drei Top Vertriebsmanagern für Textil- und Vliesstofffasern sowie Faserzellstoff eingerichtet. Der Aufsichtsrat hat den Prozess zur Bestellung eines CEO-Nachfolgers bereits initiiert und wird zum gegebenen Zeitpunkt über eine Neubesetzung informieren. Um einen nahtlosen Übergang sicherzustellen, wird Rohit Aggarwal die Lenzing AG als Berater bis Ende September 2026 begleiten.
Mathias Breuer, zuletzt als Senior Vice President für das Performance Programm zuständig, wurde vom Aufsichtsrat mit 01. Januar 2026 zum neuen CFO bestellt. Er übernimmt das Vorstandsmandat von Nico Reiner, der sein mit Ende 2025 auslaufendes Mandat nicht verlängerte. Der Aufsichtsrat hat zudem das Vorstandsmandat von Christian Skilich, der seit Juni 2020 dem Lenzing Vorstand angehört und aktuell die Positionen Chief Pulp und Chief Technology Officer hält, vorzeitig bis 31. Mai 2029 verlängert.
Der Vorstand der Lenzing Gruppe arbeitet weiterhin konsequent an der Transformation des Unternehmens, um Profitabilität, Resilienz und Agilität zu stärken. Ein zentraler Bestandteil dieser Transformation ist das ganzheitliche Performance-Programm, das primär auf eine Verbesserung des EBITDA und die Generierung von Free Cashflow durch höhere Profitabilität, konsequentes Kostenmanagement und gezielte Trading Working Capital Steuerung abzielt.
Lenzing setzt daher kontinuierlich Maßnahmen zur Optimierung der Struktur-, Prozess- und Personalkosten um, die zusätzlich zur Steigerung von Umsatz und Marge beitragen. Im Geschäftsjahr 2025 konnten damit Kosteneinsparungen von über EUR 200 Mio., nach EUR 130 Mio. im Vorjahr, realisiert werden.
Darüber hinaus beschloss der Vorstand im dritten Quartal 2025 weitere Maßnahmen zur nachhaltigen Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Diese umfassen einen Personalabbau von rund 600 Stellen in Österreich, überwiegend im Verwaltungsbereich. Die damit verbundenen jährlichen Einsparungen von rund EUR 45 Mio. sollen spätestens Ende 2027 voll wirksam werden.
Parallel dazu liegt der Fokus auf nachhaltige Kosteneinsparungseffekte durch operative Exzellenz und Energieoptimierung an allen Produktionsstandorten. Insbesondere investiert die Lenzing Gruppe strategisch über EUR 100 Mio. in die österreichischen Standorte Lenzing und Heiligenkreuz, um deren Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
Zur Stärkung von Vertrieb und Umsatzentwicklung wurden neue Kunden für Schlüsselprodukte gewonnen und die Expansion in bisher kleinere Märkte ausgebaut. Parallel dazu stärkt Lenzing ihre internationale Präsenz in wichtigen, margenstarken Märkten in Nordamerika und Asien. Auch im Einkauf konnten durch operative und strategische Maßnahmen Erfolge bei Kosteneinsparungen realisiert werden.
Die Umsatzerlöse der Lenzing Gruppe sanken 2025 leicht um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf EUR 2,6 Mrd. Dieser Rückgang ist primär auf reduzierte Faserverkaufsmengen sowie niedrigere Preise für Fasern und Zellstoff zurückzuführen. Die externen Umsätze der Lenzing Gruppe verteilten sich 2025 mit 61 Prozent auf Asien, 29 Prozent auf Europa inkl. der Türkei, 9 Prozent auf Amerika sowie 1 Prozent in anderen Regionen. Die Umsatzverteilung in den verschiedenen Regionen verdeutlicht den globalen Footprint der Lenzing Gruppe.
Umsatzverteilung nach Regionen
Die operative Ergebnisentwicklung war durch die positiven Effekte des Performance-Programms geprägt. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) stieg von EUR 395,4 Mio. im Jahr 2024 um 4,5 Prozent auf EUR 413 Mio. an und beinhaltet neben den Effekten aus dem Performance Programm auch positive Sondereffekte aus dem Verkauf überschüssiger EU-Emissionszertifikate in Höhe von EUR 45,1 Mio. Die EBITDA-Marge erhöhte sich von 14,8 auf 15,9 Prozent.
Das Betriebsergebnis (EBIT) lag bei EUR 17,6 Mio. (nach EUR 88,5 Mio. im Jahr 2024) und die EBIT-Marge betrug 0,7 Prozent (nach 3,3 Prozent im Vorjahr). Das EBIT wurde maßgeblich durch die Wertberichtigung von langfristigen Vermögenswerten des indonesischen Produktionsstandortes in der Höhe von EUR 82 Mio. beeinflusst. Für eine detaillierte Beschreibung dazu wird auf Note 10 im Konzernabschluss, Abschnitt „Wertminderungstest der CGU Fiber Site Indonesia“ verwiesen.
Das Ergebnis vor Steuern (EBT) lag bei minus EUR 122,5 Mio. (nach minus EUR 42 Mio. im Jahr 2024).
Der Steueraufwand belief sich 2025 auf EUR 12,7 Mio. (nach EUR 96,3 Mio. im Jahr 2024) und war insbesondere durch die Wertberichtigung von Steueraktivposten einzelner Konzernunternehmen sowie Währungseffekte aus der Umrechnung von Steuerposten von der lokalen in die funktionale Währung2 beeinflusst.
Das Ergebnis nach Steuern verbesserte sich leicht auf minus EUR 135,2 Mio. (nach minus EUR 138,3 Mio. im Vorjahreszeitraum).
Der verbesserte Cashflow aus der Betriebstätigkeit lag im Berichtsjahr bei EUR 419,7 Mio. (nach EUR 395 Mio.3 im Jahr 2024). Der Cashflow aus der Investitionstätigkeit lag bei minus EUR 146,9 Mio. (nach minus EUR 152,1 Mio.3 im Jahr 2024). Der Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit verbesserte sich deutlich auf minus EUR 16,4 Mio. nach minus EUR 535,4 Mio.3 im Vorjahr. Der Anstieg ist hauptsächlich auf die Refinanzierungsmaßnahmen im Berichtszeitraum zurückzuführen.
Im Mai 2025 wurde eine syndizierte Finanzierung über EUR 545 Mio. abgeschlossen, bestehend aus einem endfälligen Darlehen mit einer Laufzeit von drei Jahren in Höhe von EUR 355 Mio. und einer revolvierend ausnutzbaren Kreditlinie in Höhe von EUR 190 Mio. mit einer Laufzeit von ebenfalls drei Jahren mit Verlängerungsoptionen von insgesamt zwei Jahren. Im Juli 2025 wurde eine neue Hybridanleihe in Höhe von EUR 500 Mio. erfolgreich platziert. Das Angebot richtete sich im Rahmen eines Umtauschangebotes sowohl an bestehende Investoren der 2020 begebenen Hybridanleihe als auch an neue Investoren. Im September 2025 übte Lenzing zudem das vertragliche Kündigungsrecht für den verbleibenden Teil der Hybridanleihe 2020 aus und führte die Rückzahlung zum Nennwert zuzüglich aufgelaufener Zinsen durch. Diese Maßnahmen unterstreichen die strategische und proaktive Ausrichtung auf eine nachhaltige Kapitalstruktur und die Stärkung der finanziellen Resilienz des Unternehmens.
Der Free Cashflow zeigte eine positive Entwicklung mit einem Anstieg auf EUR 173,9 Mio. (nach EUR 169,4 Mio.3 im Vorjahr). Der Unlevered Free Cashflow stieg auf EUR 279,3 Mio. (nach EUR 244,6 Mio. im Vorjahreszeitraum). Das Trading Working Capital sank um 21,6 Prozent auf EUR 453,4 Mio.
Der Liquiditätsbestand (einschließlich liquider Wechsel) erhöhte sich im Vergleich zum 31. Dezember 2024 im Wesentlichen aufgrund der im Mai 2025 vereinbarten syndizierten Finanzierung, der operativen Geschäftstätigkeit und gezielter Trading Working Capital Steuerung um 53 Prozent auf EUR 690,9 Mio. per 31. Dezember 2025.
Die Investitionen in immaterielle Anlagen, Sachanlagen und biologische Vermögenswerte (CAPEX) beliefen sich 2025 unter anderem aufgrund reduzierter Investitionstätigkeiten auf EUR 141,1 Mio. (nach EUR 153,8 Mio. im Jahr 2024).
Die Bilanzsumme ging im Vergleich zum 31. Dezember 2024 um 7,4 Prozent auf EUR 4,6 Mrd. per 31. Dezember 2025 zurück. Das bereinigte Eigenkapital reduzierte sich von EUR 1,7 Mrd. auf EUR 1,4 Mrd. Die bereinigte Eigenkapitalquote lag per 31. Dezember 2025 bei 29,6 Prozent, nach 34,7 Prozent im Vorjahr. Die Nettofinanzverschuldung ging zum Stichtag um 11,9 Prozent auf EUR 1,35 Mrd. zurück. Das Net Gearing erhöhte sich auf 99 Prozent (nach 88,8 Prozent per 31. Dezember 2024).
Im Detail stellt sich die Umsatz- und Ertragsentwicklung im Berichtsjahr wie folgt dar:
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Veränderung |
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|---|---|---|---|---|---|---|
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2025 |
2024 |
Absolut |
Relativ |
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Umsatzerlöse |
2.602,4 |
2.663,9 |
−61,5 |
−2,3 % |
||
Umsatzkosten |
−2.264,1 |
−2.155,8 |
−108,2 |
−5,0 % |
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Bruttoergebnis vom Umsatz |
338,4 |
508,1 |
−169,7 |
−33,4 % |
||
|
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Sonstige betriebliche Erträge |
133,6 |
61,8 |
71,8 |
116,3 % |
||
Vertriebsaufwendungen |
−280,9 |
−300,5 |
19,6 |
6,5 % |
||
Verwaltungsaufwendungen |
−126,3 |
−146,7 |
20,4 |
13,9 % |
||
Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen |
−29,1 |
−29,2 |
0,0 |
0,0 % |
||
Sonstige betriebliche Aufwendungen |
−17,9 |
−4,9 |
−13,0 |
−262,2 % |
||
EBIT |
17,6 |
88,5 |
−70,9 |
−80,1 % |
||
|
|
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|
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Finanzerfolg |
−140,1 |
−130,5 |
−9,6 |
−7,3 % |
||
EBT |
−122,5 |
−42,0 |
−80,5 |
−191,6 % |
||
|
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|
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Steueraufwand |
−12,7 |
−96,3 |
83,5 |
86,8 % |
||
Ergebnis nach Steuern |
−135,2 |
−138,3 |
3,1 |
2,2 % |
||
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1Die Kennzahlen werden im Abschnitt „Beilage: Erläuterungen zu Finanzkennzahlen der Lenzing Gruppe“ näher erklärt.
2Vorherrschende Währung des primären Wirtschaftsumfeldes einer Tochtergesellschaft.
3Zur besseren Transparenz und Vergleichbarkeit der finanziellen Steuerungskennzahlen hat die Lenzing Gruppe die Wahlrechte gem. IAS 7 neu ausgeübt und somit die Darstellung der Kapitalflussrechnung angepasst. Die neue Struktur beginnt mit dem EBT und ermöglicht die Berechnung des Unlevered Free Cashflow, der zusätzlich zum Free Cashflow als zentrale Steuerungsgröße im Rahmen des Performance-Programms dient. Die Anpassung steht im Einklang mit marktüblichen Reporting-Praktiken und verbessert die Aussagekraft der Kapitalflussrechnung für interne und externe Stakeholder. Die Darstellungsänderung wurde gem. IAS 8 rückwirkend durchgeführt. Eine Überleitung zu den angepassten Zahlen der Vergleichsperiode ist im Konzernabschluss in Note 2 ersichtlich.