Energie- und weitere Rohstoffversorgung der Divisionen
Die Themen „Energie“ und „Weitere Rohstoffe“ sind als wesentliche Einflussfaktoren auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage der Lenzing Gruppe den Divisionen „Faser“ und „Zellstoff“ zuzuordnen.
Energie
Die Lenzing Gruppe zählt mit ihrem Bioraffinerie-Konzept an den Standorten Lenzing (Österreich), Paskov (Tschechien) und Indianópolis (Brasilien) zu den Vorreitern einer ressourcenschonenden und weitgehend energieautarken Zellstoff- und Faserproduktion. An den Produktionsstandorten werden laufend zahlreiche Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz vorangetrieben. Die Energiereserven an den europäischen Standorten bleiben vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten gut abgesichert.
Im Jahresdurchschnitt 2025 lagen die Gaspreise mit knapp 39 EUR/MWh am österreichischen Spotmarkt rund 10 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Eine Entspannung der Versorgungssituation infolge eines zunehmenden LNG-Angebots (engl. Liquefied Natural Gas) machte sich erst gegen Ende des Jahres mit deutlich sinkenden Preisen bemerkbar. Die Kohlepreise gingen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent zurück. Der Strompreis verzeichnete mit einem Anstieg von 21 Prozent den stärksten Zuwachs. Dieser war maßgeblich durch höhere CO2-Preise beeinflusst, die um 13 Prozent zulegten. Der Ölpreis lag hingegen im Jahresdurchschnitt bei rund 68 USD je Barrel und damit um 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Lenzing hält weiterhin an ihrer im Jahr 2023 eingeführten Beschaffungsstrategie fest. Dabei erfolgt die Energiebeschaffung auf Basis einer definierten Termin- und Spotmarktkombination. Diese Strategie gleicht Preisschwankungen an den Energiemärkten aus und trägt zu einer stabileren Kostenentwicklung bei.
Die Lenzing AG hat am Standort Lenzing gemeinsam mit dem Energieunternehmen Verbund eine neue Photovoltaikanlage mit 1,3 MWp in Betrieb genommen. Damit steigt die Gesamtleistung des PV-Parks auf 8,3 MWp. Ergänzt durch Kleinwasserkraftwerke (2,3 MW) und langfristige Lieferverträge für Wind- und Solarstrom baut Lenzing ihre Energieautonomie weiter aus. Diese Investitionen sind zentrale Bausteine der Dekarbonisierungsstrategie für die Erreichung des wissenschaftlich bestätigten Netto-Null-Ziels.
Am Standort Lenzing wurden von 2023 bis 2025 insgesamt 29 Energieeffizienzprojekte umgesetzt. Die daraus resultierende Wärmeeinsparung von rund 265.000 GJ pro Jahr und die Stromeinsparung von rund 7.000 MWh pro Jahr entspricht dem jährlichen Energiebedarf von rund 4.350 österreichischen Haushalten. Diese Maßnahmen werden sich positiv auf die Energiekostenstruktur auswirken und redzuzieren den CO2 Footprint des Standorts Lenzing um ca. 10.500 Tonnen fossiles CO2 pro Jahr.
Die Lenzing AG und die Energie AG Umwelt Service haben im Dezember 2025 ihre RVL-Partnerschaft (Reststoffverwertung Lenzing) bis 2040 erneuert. Mit dem neuen Rahmenvertrag „R/25“ wird die erfolgreiche Kooperation in der Reststoffverwertung Lenzing gestärkt. Die Vereinbarung sichert höhere Leistung und Verfügbarkeit der Wirbelschichtanlage, ein Retrofit-Programm 2026/27 sowie klare Regeln für Emissionskosten. Zudem garantiert sie langfristige Planungssicherheit mit erstem Kündigungstermin per 31.12.2040. Die RVL bleibt ein Eckpfeiler für Versorgungssicherheit und Klimaschutz: Jährlich werden über 300.000 Tonnen Abfälle in Strom und Dampf umgewandelt und ersetzen bis zu 85 Mio. Nm3 Erdgas – ein wesentlicher Beitrag zur Dekarbonisierung und Kreislaufwirtschaft. Das Projekt zur Errichtung eines neuen Wirbelschichtkessels am Standort Lenzing wurde in der Berichtsperiode weiter vorangetrieben. Ziel ist die Substitution von klassischen fossilen Brennstoffen und die Reduktion von Emissionen. Der Baustart ist für das dritte Quartal 2026 vorgesehen.
Die Energieanlagen in Lenzing sowie an den Standorten Paskov und Heiligenkreuz (Österreich) liefen im Berichtszeitraum im Regelbetrieb. In Heiligenkreuz wurde die Umstellung auf biogene Brennstoffe gezielt vorangetrieben, um die Energiekosten nachhaltig zu senken und die Wirtschaftlichkeit des Standortes weiter zu verbessern.
In Paskov wurde überschüssige Energie weiterhin ins öffentliche Netz eingespeist. Die Erdgaspreise am Standort Paskov verzeichneten eine leichte Steigerung wohingegen sich in Grimsby (Großbritannien) die Erdgaspreise reduzierten. In Mobile (USA) erhöhten sich die Erdgaspreise geringfügig, wobei ein leichter Rückgang beim Strompreis zu verzeichnen war.
Am Standort Purwakarta (Indonesien) wurden die Energieanlagen mit hohen Verfügbarkeiten betrieben. Der Kohlepreis sank moderat, während der Strompreis annähernd gleich blieb.
Am chinesischen Standort Nanjing gingen die Gaspreise aufgrund eines neuen Liefervertrags deutlich zurück. Der Betrieb zweier Gasturbinen, die 2024 in Betrieb genommen wurden, trug zur weiteren Diversifizierung der Energieversorgung bei. Die Strompreise blieben stabil.
Am brasilianischen Standort Indianópolis befindet sich ein Vertrag über die Lieferung von Flüssigerdgas (LNG) anstelle von Heizöl in Umsetzung. Der Versorgungsstart wird mit dem ersten Quartal 2026 erwartet.
In Prachinburi (Thailand) blieben die Preise für Strom im Vergleich zur Vorjahresperiode stabil.
Weitere Rohstoffe
Die für Lenzing relevanten Chemikalienmärkte verzeichneten 2025 überwiegend stabile Preise. Im Durchschnitt lagen die Chemikalien-Kosten der Lenzing im Budget.
Natronlauge
Natronlauge kommt bei der Herstellung von Faserzellstoff zum Einsatz und ist ebenso ein wichtiges Vorprodukt für die Herstellung von Viscose- und Modalfasern. Sie fällt als Nebenprodukt bei der Chlorproduktion an. Nach anfänglich erhöhten Preisen im ersten Halbjahr aufgrund starker Nachfrage beruhigten sich die Märkte in den beiden letzten Quartalen des Jahres, was sich zum Teil auch in niedrigeren Preisen widerspiegelte.
Schwefel
Schwefel ist ein wichtiges Ausgangsprodukt für die Herstellung von Schwefelkohlenstoff und Schwefelsäure. Beide Rohstoffe werden wiederum im Viscoseverfahren eingesetzt. Aufgrund der Verknappung des Schwefelangebotes erhöhten sich die Preise im Jahresverlauf signifikant in allen Regionen.