Doppelte Wesentlichkeitsanalyse
Wesentlichkeitsanalyse
Revision der Wesentlichkeit
[IRO-1 53h]
Nach der ersten ESRS-konformen doppelten Wesentlichkeitsanalyse (DMA) im Jahr 2024 hat Lenzing die Methodik im Berichtsjahr überarbeitet, um die strukturelle Klarheit zu verbessern. Die ursprünglichen Bewertungsparameter (wie Umfang, Ausmaß, Wahrscheinlichkeit) wurden beibehalten. Wichtige Verbesserungen waren die Einführung deutlicherer Kriterien zur Unterscheidung zwischen positiven Auswirkungen und Chancen versus Maßnahmen zur Abschwächung nachteiliger Auswirkungen oder zur Beseitigung von Risiken. Die aktualisierte Bewertung spiegelt nun die wichtigsten Geschäftsbeziehungen von Lenzing in der gesamten Wertschöpfungskette besser wider und gewährleistet, dass sowohl direkte als auch indirekte Auswirkungen angemessen erfasst werden. Darüber hinaus wurden ausgewählte Auswirkungen, Risiken und Chancen entweder neu bewertet oder konsolidiert, um neuen Erkenntnissen und strukturellen Änderungen im DMA-Prozess Rechnung zu tragen. Dies stellt sicher, dass die Bestimmung der Wesentlichkeit weiterhin mit den aktuellen geschäftlichen Gegebenheiten und der sich entwickelnden Relevanz innerhalb des überarbeiteten DMA-Rahmens in Einklang steht. Um die Übereinstimmung mit den ESRS-Anforderungen an die Wesentlichkeit zu gewährleisten, wurde die bisherige Regel der automatischen Wesentlichkeit – die zum Einsatz kam, wenn ein einzelner Parameter die höchste Punktzahl erreichte – abgeschafft. Stattdessen wurden solche Fälle einer genaueren Prüfung unterzogen, um die tatsächliche Wesentlichkeit zu ermitteln.
Forschung und Informationsquellen
[IRO-1 53a]
Beginnend mit der Erstellung einer Gesamtliste führte Lenzing eine umfassende Prüfung der Aktivitäten in Bezug auf die eigene Geschäftstätigkeit und Wertschöpfungskette durch. Der primäre Fokus lag auf der Bewertung von Auswirkungen, Risiken und Chancen (Impacts, Risks and Opportunities, IROs) unter Berücksichtigung der Auswirkungen des Unternehmens auf ESG-Themen sowie die Auswirkungen der ESG-Themen auf das Unternehmen (doppelte Wesentlichkeit).
[IRO-1 53g]
Die Bewertung von IROs stützte sich auf Erkenntnisse zur Nachhaltigkeitsproblematik, die Anforderungen der Stakeholder und die Untersuchung der Wertschöpfungskette. Bei der internen Datenerhebung wurden Informationen aus bestehenden Quellen herangezogen; zusätzlich wurde auch das Wissen interner Expert:innen berücksichtigt. Die externe Datenerhebung umfasste die Einsichtnahme in wissenschaftliche Abhandlungen, Berichte von NGOs und die Lektüre von Branchenberichten.
[IRO-1 53e, 53f]
Lenzings Risikomanagement-Team stellte sein Fachwissen für die Bewertung von Risiken und Chancen zur Verfügung. Die meisten ESG-Risiken und ‑Chancen waren bereits Teil des Risikomanagementsystems und ‑prozesses von Lenzing, der im Abschnitt „Risikomanagement der Berichterstattung“ in diesem Kapitel beschrieben wird. Die Risiken und zusätzlich ermittelten Chancen werden sukzessive in das Risikomanagementsystem integriert. Derzeit sind die Auswirkungen nicht Teil des Risikomanagementprozesses.
Kontextanalyse
[E2 IRO-1 11a, E3 IRO-1 8a, E5 IRO-1 11a]
Im Hinblick auf die Umweltauswirkungen, darunter Themen wie Klima, Umweltverschmutzung, Wasser- und Ressourcennutzung, wird an den Produktionsstandorten von Lenzing jährlich eine Kontextanalyse durchgeführt, um die Anlagen und Aktivitäten zu überprüfen. Die Ergebnisse werden auf globaler Ebene konsolidiert.
Die Kontextanalyse und die anderen Teile des Umweltmanagementsystems sind in den Prozess der doppelten Wesentlichkeitsanalyse integriert. Auf der Produktebene ist die Lebenszyklusanalyse (LCA) das wichtigste Instrument zur Bewertung der Cradle-to-Gate-Auswirkungen durch die direkte und indirekte Geschäftstätigkeit, einschließlich der eigenen Zellstoff- und Faserproduktion und der vorgelagerten Lieferketten. Dies unterstützt nicht nur produktbezogene Umweltaussagen, sondern ermöglicht auch die Identifizierung von Bereichen mit Verbesserungspotenzial, z. B. die Zellstoff-Produktion (einschließlich Recycling) oder wichtige Chemikalien. Unterstützt wird das Verfahren durch die Erhebung von Umweltdaten zu internen Tätigkeiten, einschließlich des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen, anderer Luftemissionen, des Wasserverbrauchs, der Abwässer, der Einleitung prioritärer besorgniserregender Stoffe und des Abfalls. Darüber hinaus werden immer mehr Primärdaten von Lieferanten erhoben (z. B. zur Wassernutzung): Während der Fokus ursprünglich auf Zellstofflieferanten lag, werden nun auch Primärdaten von wichtigen Chemikalienlieferanten abgefragt. Diese systematische Erhebung von Daten aus der eigenen Produktion von Lenzing und von ihren Lieferanten wird auf Verlangen durchgeführt und fließt in die fortlaufenden Aktualisierungen von LCA-Berechnungen für die Produkte von Lenzing ein.
Umweltverschmutzung
Zusätzlich zum internen Prozess zur Erfassung von Umweltdaten helfen das Higg Facility Environmental Module und die Plattform ZDHC Gateway bei der Bewertung der Leistung. Dies wird auch durch das Chemikalienmanagementsystem und das Chemikalieninventar von Lenzing unterstützt.
Wasser
Die Wasserrisikobewertung auf Unternehmensebene erfolgt durch die Sammlung kontextbezogener qualitativer und quantitativer Informationen über die Lieferkette und die eigene Produktion von Lenzing unter Verwendung des WRI Aqueduct Water Risk Atlas und des WWF Water Risk Filter. Diese Daten und Instrumente unterstützen die Bewertung der aktuellen Wassersituation und die Identifizierung von Gebieten mit Wasserrisiken an bestimmten Standorten, einschließlich Regionen mit hohem Wasserstress. Außerdem gewähren sie Einblick in zukünftige Szenarien, beispielsweise solche, die die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserverfügbarkeit und ‑qualität widerspiegeln. Diese Maßnahme ist ein kontinuierlicher jährlicher Prozess und wurde auch im Berichtsjahr durchgeführt.
Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft
Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft wirken sich auf verschiedene Bereiche aus – von der Messung des Ressourceneinsatzes und des Abfallaufkommens bis hin zur Kreislaufwirtschaft von Produkten. Diese Bereiche werden mit den oben genannten Instrumenten bewertet und gemessen.
Ansatz
[IRO-1 53b i, ii]
Lenzing ist bemüht, bei ihrer doppelten Wesentlichkeitsanalyse einen konservativen Ansatz zu verfolgen. Das Unternehmen hat die wichtigsten Geschäftsbeziehungen innerhalb der Wertschöpfungskette abgebildet, um sicherzustellen, dass die indirekten Auswirkungen angemessen erfasst werden. Ein Beispiel für Umweltauswirkungen, die Lenzing bekannt sind und die aus ihren Geschäftsbeziehungen resultieren, sind die Auswirkungen ihrer Holz- und Zellstofflieferanten. In diesem Fall sind die Umweltauswirkungen bekannt.
Bei der Betrachtung von Umweltauswirkungen und umweltbezogenen Risiken im Unternehmen konzentrierte sich Lenzing auf die eigenen Produktionsstandorte, da diese naturgemäß ein höheres Risiko für nachteilige Auswirkungen bergen als Bürostandorte. Die Bewertung der sozialen Auswirkungen auf die Arbeitskräfte in der Wertschöpfungskette ist ein Bereich, in dem Lenzing weiteren Verbesserungsbedarf sieht.
[IRO-1 53c i]
Lenzing hat die Zusammenhänge zwischen den IROs untersucht und ihre Ursache-Wirkungs-Beziehungen verfolgt, um sicherzustellen, dass während des Bewertungsprozesses kein IRO übersehen wird.
Bewertung
Bewertung von Auswirkungen
[IRO-1 53b, 53b iv, 53d]
Bei der Bewertung des Schweregrads der Auswirkungen wurden folgende Faktoren berücksichtigt: Ausmaß, Umfang (für alle Auswirkungen), Unabänderlichkeit (für negative Auswirkungen) und Wahrscheinlichkeit (für potenzielle Auswirkungen). Die Auswirkungen wurden dann in folgende Kategorien unterteilt:
positiv/negativ
tatsächlich/potenziell
direkt/indirekt
kurzfristig (weniger als ein Jahr)/mittelfristig (ein bis fünf Jahre)/langfristig (mehr als fünf Jahre)
Die Skala aller Faktoren (Ausmaß, Umfang, Unabänderlichkeit und Wahrscheinlichkeit) reichte von 0 bis 5, wobei 5 die höchste Stufe ist (z. B. in Bezug auf die Unabänderlichkeit wäre die höchste Stufe nicht sanierbar/irreversibel). Der Schweregrad wurde von den Expert:innen anhand von Ausmaß, Umfang und Unabänderlichkeit bewertet. Das Ausmaß gibt die Tragweite der Auswirkungen auf das jeweilige ESG-Thema an. Der Umfang bezieht sich auf die geografische Reichweite der Umweltauswirkungen und die Anzahl der Betroffenen bei sozialen Auswirkungen. Die Unabänderlichkeit gilt nur für negative Auswirkungen und gibt an, wie schwierig es ist, die Auswirkungen rückgängig zu machen. Die Wahrscheinlichkeit bezieht sich auf die Häufigkeit der potenziellen Auswirkungen, die von einem Mal in zehn Jahren bis hin zu mehrmals pro Monat reicht.
Damit eine Auswirkung als wesentlich angesehen werden kann, wurden drei Regeln angewandt: 1) Wenn einer der Werte für Umfang, Ausmaß, Unabänderlichkeit oder Wahrscheinlichkeit 5 beträgt, erfolgt eine genauere Prüfung, um die tatsächliche Wesentlichkeit festzustellen. 2) Liegt der Schweregrad (Durchschnitt von Ausmaß, Umfang, Unabänderlichkeit) über dem Schwellenwert von 3,7, ist die bewertete Auswirkung wesentlich. 3) Bei „potenziellen“ Auswirkungen wurde auch die Wahrscheinlichkeit in Form einer Matrix aus Schweregrad und Wahrscheinlichkeit berücksichtigt. Beim Thema Menschenrechte wurde eine zusätzliche Matrix verwendet, bei der der Schweregrad Vorrang vor der Wahrscheinlichkeit hat.
Um die Ergebnisse zu validieren, wurde die Bewertung aus dem Jahr 2024 an zwei Workshop-Tagen unter Einbeziehung von Expert:innen aus der Abteilung Corporate Sustainability und anderen relevanten Abteilungen überprüft. Jede Folgenabschätzung wurde von den Expert:innen erläutert und in der Gruppe aufgegriffen und besprochen, um gemeinsam eine Einigung und Interpretation der Ergebnisse zu erzielen.
Bewertung von Risiken und Chancen
[IRO-1 53c, 53c ii]
Die folgenden Skalen wurden in Bezug auf Lenzings ESG-Risiken und ‑Chancen und ihre finanziellen Auswirkungen auf der Ebene der Unterthemen verwendet: auf einer Skala von 1 bis 4 (wobei 4 mit über EUR 3 Mio. den höchsten Wert darstellt) das Ausmaß der finanziellen Auswirkungen von Risiko/Chance auf Lenzing. Auf einer Skala von 1 bis 5 die Wahrscheinlichkeit des Auftretens (wobei 5 die höchste Wahrscheinlichkeit darstellt). Die zugewiesenen Zeiträume sind identisch mit denen bei der Bewertung der Auswirkungen. Die Art der Auswirkungen wurde wie folgt zugeordnet: finanziell/herstellungsbezogen/naturbezogen/intellektuell/menschlich/sozial & beziehungsbezogen. Zur Bestimmung der Wesentlichkeit wurde eine Matrix erstellt, die die finanziellen Auswirkungen und die Wahrscheinlichkeit beinhaltet.
Die Bewertung wurde maßgeblich durch einen Lenzing Risikoexperten unterstützt, der dabei half, den Ansatz auf der Grundlage von Wissen, Daten und Leitlinien zu vereinheitlichen. Weitere Informationen zur klimabezogenen und naturbezogenen Risikobewertung finden Sie in den entsprechenden Abschnitten weiter unten in diesem Kapitel.
[IRO-1 53c iii]
Der oben beschriebene Ansatz zur Bewertung von Risiken und Chancen wurde gewählt, um eine qualitative Bewertung Lenzings heterogener ESG-Risiken zu ermöglichen. In der Regel werden die Risiken in Lenzings Risikomanagementsystem quantitativ mit der Monte-Carlo-Methode bewertet. ESG-Risiken werden jedoch in Lenzings Risikomanagementsystem entweder qualitativ oder quantitativ mit unterschiedlichen Methoden bewertet, je nach Art der Risiken, Verfügbarkeit von Daten und Anforderungen verschiedener Standards und Ratings, z. B. TCFD und CDP.
Interessen der Stakeholder
[IRO-1 53b iii, E2 IRO-1 11b, E3 IRO-1 8b, E5 IRO-1 11b]
Lenzing pflegt ganzjährig einen kontinuierlichen Dialog mit ihren Stakeholdern. Informationen zu Lenzings Stakeholdern finden Sie im Abschnitt „Management von Stakeholdern“ in diesem Kapitel.
Die Häufigkeit ihrer Einbeziehung variiert je nach Thema und Produktionsstandort. Ein Hinzuziehen der betroffenen Gemeinschaften zu Umweltthemen wie Lärm- und Geruchsbelästigung ist z. B. von Standort zu Standort sehr unterschiedlich. Vor allem Standorte in unmittelbarer Nähe möglicher betroffener Gemeinschaften wie Nanjing (China), Lenzing (Österreich) und Purwakarta (Indonesien) werden regelmäßig konsultiert.
Um weitere Informationen zu sammeln, nahmen sowohl interne (einschließlich des Vorstands und der Leiter verschiedener Abteilungen sowie relevanter Experten) als auch externe Stakeholder (Lieferanten, Kunden, NGOs, Aufsichtsrat, Investoren und Wissenschaft) an einer Umfrage teil. Der kontinuierliche Dialog und die Ergebnisse der Umfrage flossen in die doppelte Wesentlichkeitsanalyse ein, um die wesentlichen Themen von Lenzing zu ermitteln und zu priorisieren.
Im Rahmen dieses Prozesses wurden die wichtigsten Interessen der Stakeholder in Bezug auf Lenzing ermittelt, darunter auch die Erwartungen hinsichtlich der Priorisierung von ESG-Themen. Diese Interessen wurden anschließend bewertet, um ihre Bedeutung für die wesentlichen Themen zu ermitteln.
Weitere Informationen zur aktualisierten Wesentlichkeitsanalyse finden Sie im Fokuspapier „Doppelte Wesentlichkeitsanalyse“.
Klimabezogene Risikobewertung
Lenzing wendet die Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) an, um klimabezogene Auswirkungen, Risiken und Chancen zu identifizieren, zu bewerten und zu handhaben. Dieser Prozess ist in das Enterprise Risk Management (ERM)-System eingebettet und wird jährlich überprüft, um die Übereinstimmung mit sich entwickelnden marktbezogenen und regulatorischen Erwartungen sicherzustellen. Dabei werden die Treibhausgasemissionen des Unternehmens (Scope 1, 2 und 3) berücksichtigt und es wird bewertet, wie diese Emissionen Lenzings Exposition gegenüber klimabezogenen Risiken und Chancen beeinflussen.
[E1 IRO-1 20b, 20c]
Bei der Bewertung wird ein digitaler Zwilling verwendet, der die Vermögenswerte und Geschäftsaktivitäten von Lenzing in einer virtuellen Umgebung modelliert, die auch die Wertschöpfungskette umfasst. Dies ermöglicht die Simulation klimabedingter Gefahren und Übergangsereignisse mit verschiedenen Szenarien und bietet richtungsweisende Einblicke in potenzielle finanzielle Auswirkungen auf den Cashflow sowie auf Einnahmen und Kosten. Physische Risiken beziehen sich auf die potenziellen Auswirkungen klimabedingter Gefahren wie Hitzewellen, Dürren, Hochwasser- und Sturmereignisse, die zu Schäden an Vermögenswerten, Betriebsstörungen und Unterbrechungen der Lieferkette führen können. Übergangsrisiken beziehen sich auf die potenziellen Auswirkungen des Übergangs zu einer Wirtschaft mit geringem CO2-Fußabdruck, einschließlich regulatorischer Änderungen, CO2-Preisen, technologischer Entwicklungen und Änderungen der Vorlieben von Konsument:innen, die sich auf Produktionskosten, Marktnachfrage und Reputation auswirken können. Zu den ermittelten Chancen gehört die Entwicklung von Produkten und Technologien mit geringem CO2-Fußabdruck, die den Übergang zu Szenarien zur Eindämmung des Klimawandels unterstützen.
[E1 IRO-1 20b, 21]
Die Szenarioanalyse bildet die Grundlage für die Identifizierung und Bewertung dieser Risiken und Chancen über kurz- (fünf Jahre), mittel- (zehn Jahre) und langfristige (20 Jahre) Zeiträume. Das Unternehmen wendet mehrere Klimapfade an, die auf den gemeinsam genutzten sozioökonomischen Pfaden (Shared Socioeconomic Pathways, SSPs)1 des Weltklimarates (IPCC) basieren und von Szenarien mit geringen Emissionen bis zu Szenarien mit hohen Emissionen reichen. Die beiden gegensätzlichen extremen Klimaszenarien – das Szenario mit hohen Emissionsniveaus (SSP3-7.0, „Aktuelle Policies“) sowie das Niedrigemissionsszenario „Netto-Null-Emissionen bis 2050“ (SSP1-2.6) wurden bei der Bewertung der physischen Risiken bzw. der Übergangsrisiken besonders berücksichtigt. Die Ergebnisse dieser beiden Szenarien und eines „National festgelegten Beiträgen (NDCs)“-Szenarios (SSP2-4.5) sowie ihre Besonderheiten sind in den Tabellen „Risiko- und Chancenbewertung – Merkmale der Klimaszenarien“ sowie „Prognostiziertes Klimarisikopotenzial“ im Kapitel „E1 Klimawandel“ ausführlich beschrieben.
Nach der Bewertung im letzten Jahr wurden 2025 nur wenige methodische Änderungen vorgenommen. Diese Aktualisierungen ersetzen frühere Prognosen durch die neuesten Szenarien aus Phase V des Network for Greening the Financial System (NGFS) und bieten einen klareren und aktuelleren Überblick darüber, wie die Welt auf die Herausforderungen des Klimawandels reagieren könnte. Lenzing hat ihren an der TCFD ausgerichteten Ansatz beibehalten und die Entwicklungen in der Klimawissenschaft und ‑regulierung weiterverfolgt. Im Berichtsjahr wurden kleinere Datenbankaktualisierungen vorgenommen, die für Modellverbesserungen erforderlich waren, beispielsweise hinsichtlich der Auswirkungen von Waldbränden auf physische Risiken für Vermögenswerte und Rohstoffe wie Eukalyptus. Daher ergab die neu berechnete Simulation aktualisierte Ergebnisse mit geringfügigen Änderungen gegenüber dem Vorjahr. Lenzing räumt ein, dass die Quantifizierung des Klimarisikos aufgrund komplexer Abhängigkeiten und sich verändernder externer Bedingungen mit Unsicherheiten behaftet ist. Aus diesem Grund werden die Ergebnisse qualitativ dargestellt, um strategische Entscheidungsfindung und die Planung der Resilienzplanung zu unterstützen.
Naturbezogene Risikobewertung
[E4 IRO-1]
[E4-1 13a, 13d]
Im Berichtsjahr hat Lenzing seine Arbeit auf der Grundlage der Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD) fortgesetzt. Diese baut auf der ersten Resilienzanalyse auf, die im vergangenen Jahr nach dem LEAP-Ansatz (Locate, Evaluate, Assess, Prepare)2 durchgeführt wurde. Das Unternehmen konzentrierte sich im Rahmen seines Biodiversitätsansatzes und Aktionsplans weiterhin auf die Bewertung naturbezogener physischer Risiken, Übergangsrisiken und systemischer Risiken.
Die Bewertung stützt sich auf drei Klimaszenarien3: SSP1-1.9, SSP2-4.5 und SSP5-8.5. Diese Szenarien geben Aufschluss über die möglichen Auswirkungen verschiedener Emissionspfade. Sie wurden auf kurzfristige (0–1 Jahr), mittelfristige (1–5 Jahre) und langfristige (5–30 Jahre) Zeithorizonte angewendet.
[E4-1 13b, 13e]
Die Analyse berücksichtigte neun Produktionsstätten in Österreich, der Tschechischen Republik, Großbritannien, in China, den USA, Thailand, Indonesien und Brasilien und auch die Holzlieferkette in Österreich und der Tschechischen Republik, über die Lenzing etwa 70 bis 80 Prozent des Holzes bezieht, das in ihren europäischen Zellstoffwerken verwendet wird.
[E4-1 13c, 13f]
Alle Grundannahmen bleiben unverändert. Bei der Resilienzanalyse wurde in kurz- und mittelfristigen Szenarien nicht von einem Zusammenbruch der Ökosysteme unseres Planeten ausgegangen. Eine detaillierte Modellierung von Ökosystem-Szenarien wurde aufgrund der begrenzten Datenverfügbarkeit noch nicht durchgeführt. Für künftige Berichtszeiträume ist eine Ausweitung der Analyse, einschließlich einer breiteren Abdeckung der Holzlieferkette, geplant. Zukünftige Methoden und Rahmenwerke für die Bewertung des Zustands der Natur und die Modellierung von Ökosystem-Szenarien werden im Rahmen der Forschungskooperation mit Wood K Plus überwacht und auf ihre Anwendbarkeit im Kontext von Lenzing geprüft (siehe Abschnitt „Maßnahmen“ im Kapitel „E4 Biologische Vielfalt und Ökosysteme“). An der Bewertung nahmen keine Stakeholder teil, aber Lenzing möchte ihre Einbeziehung künftig ausbauen.
[E4-1 13e]
Abhängigkeiten
Holz ist der wichtigste Rohstoff für Lenzing. Lenzing ist hauptsächlich von gesunden Waldökosystemen abhängig, da die Biodiversität und die ökologische Funktionsfähigkeit die Grundlage für die Verfügbarkeit von Holz bilden.
Lenzing begegnet diesen Abhängigkeiten, indem es bevorzugt Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und Plantagen einsetzt, die nach international anerkannten Standards wie FSC® und PEFC zertifiziert sind.4 Diese Zertifizierungen beinhalten strenge Kriterien für den Schutz der Biologischen Vielfalt und tragen zur Erhaltung von Ökosystemleistungen wie Kohlenstoffabscheidung, Wasserregulierung und Bereitstellung von Lebensraum bei.
Lenzing nutzt zwei Arten der Forstwirtschaft in verschiedenen Regionen der Welt. In der nördlichen Hemisphäre praktizieren die Holz- und Zellstofflieferanten in Europa und Nordamerika eine nachhaltige, multifunktionale Forstwirtschaft. In der südlichen Hemisphäre wird Plantagenforstwirtschaft mit hohen Nachhaltigkeitsstandards von Lenzings Zellstofflieferanten in Südafrika und im eigenen Zellstoffwerk in Indianópolis (Brasilien) praktiziert.
Die Plantagenforstwirtschaft trägt dazu bei, den Druck auf die natürlichen Wälder zu verringern, indem sie ertragreiches Holz als Alternative zur Beschaffung aus Primärwäldern liefert. Obwohl die Plantagen nur drei Prozent der weltweiten Waldfläche ausmachen, liefern sie rund 33 Prozent des weltweiten Holzes.5
Risiken
Die in den vergangenen Jahren ermittelten Risiken sind nach wie vor relevant. Zu den physischen Risiken gehören Dürren, Hochwasserereignisse, Wasserstress und die Verschlechterung der Waldgesundheit. Die Übergangsrisiken beschreiben regulatorische Änderungen und Anforderungen an die biologische Vielfalt. Systemische Risiken ergeben sich aus Störungen des Ökosystems und einer uneinheitlichen Governance. Diese Risiken können im Laufe der Zeit zu Betriebsstörungen, Unterbrechungen der Lieferkette und Preisschwankungen bei den Ressourcen führen, insbesondere bei Szenarien mit hohen Emissionen.
Systemische Risiken und physische Gefahren wie Hochwasserereignisse und Dürren erfordern eine kontinuierliche Notfallplanung. Kurzfristig sind diese Risiken mäßig, aber es gibt erste Anzeichen für Stress. Sie nehmen mittelfristig stärker zu. Langfristig könnten die systemischen und physischen Risiken dramatisch steigen, insbesondere bei Szenarien mit hohen Treibhausgasemissionen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit von Anpassungsstrategien, um die Nachhaltigkeit und Widerstandsfähigkeit langfristig zu gewährleisten.
Weitere Informationen zur Minimierung naturbezogener Risiken finden Sie im Abschnitt „Maßnahmen“ im Kapitel „E4 Biologische Vielfalt und Ökosysteme“.
Auswirkungen
Die wichtigsten potenziellen Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und die Ökosysteme ergeben sich aus der forstwirtschaftlichen Landnutzung in den Betrieben und in der Lieferkette der Lenzing Gruppe.
Im Umkreis von zehn Kilometern um die Produktionsstandorte von Lenzing und bis zu 30 km flussabwärts wurden keine bedeutenden Auswirkungen auf Gebiete mit schutzbedürftiger Biodiversität oder Schutzgebiete festgestellt. Es wurden auch keine Auswirkungen auf bedrohte Arten durch die Tätigkeit von Lenzing festgestellt. Daher ist es nicht erforderlich diesbezüglich Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt zu ergreifen. Weitere Informationen über „Gebiete mit schutzbedürftiger Biodiversität und Naturschutzgebiete in der Nähe der Lenzing Produktionsstandorte“ finden Sie im gleichnamigen Abschnitt im „Anhang“.
Mögliche Auswirkungen auf Wasser, Boden und Luft können aus den Emissionen der Produktionsanlagen oder durch den Transport entstehen. Weitere Informationen finden Sie in den Kapiteln „E2 Umweltverschmutzung“ und „E3 Wasser- und Meeresressourcen“.
Am Ende der Wertschöpfungskette von Textilien und Vliesstoffen können Auswirkungen auf die Biodiversität entstehen, wenn nicht abbaubare Materialien durch unsachgemäße Entsorgung in die Umwelt gelangen. Weitere Informationen zur biologischen Abbaubarkeit der Lenzing Fasern finden Sie im Abschnitt „Kennzahlen“ im Kapitel „E5 Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft“.
TNFD-Angaben
TNFD-Angaben in Kennzahlen, die sich mit Holzknappheit befassen und mit Landnutzungsänderungen zusammenhängen, finden Sie in der Tabelle im Abschnitt „Kennzahlen“ im Kapitel „E4 Biologische Vielfalt und Ökosysteme“. Weitere von der TNFD empfohlene Kennzahlen und Indikatoren, die nicht direkt mit den ESRS-bezogenen Auswirkungen, Risiken und Chancen von Lenzing in Verbindung stehen, finden Sie hier.
Compliance-bezogene Bewertung
[G1 ESRS 2 IRO-1]
Bei der Identifizierung wesentlicher Auswirkungen, Risiken und Chancen wird die Wesentlichkeit anhand von Kennzahlen wie der Zahl gemeldeter Fälle und bestätigter Vorfälle sowie der Stakeholder-Interessen bewertet. So wurde beispielsweise die Bewertung der Themen „Schutz von Hinweisgeber:innen (Whistleblowern)“ sowie „Verhinderung und Aufdeckung von Korruption und Bestechung“ stark von den Lenzing Stakeholdern, z. B. Investoren, beeinflusst, was deren großes Interesse an diesem Thema zeigt.
1IPCC, Sixth Assessment Report, 2021
2Guidance on the identification and assessment of nature-related issues: the LEAP approach – TNFD
3SSP1-1.9, SSP2-4.5 und SSP5-8.5. Eine Beschreibung finden Sie unter https://www.dkrz.de/de/kommunikation/klimasimulationen/cmip6-de/die-ssp-szenarien
4Lizenzcodes: FSC-C041246, PEFC/06-33-92
5Bousfield et al., Nature Geoscience 16(2023), 1145-50 https://www.nature.com/articles/s41561-023-01323-y