Maßnahmen
[E5-2, MDR-A 68a]
Liste der wichtigen Maßnahmen
Bioraffinerie für Zellstoffproduktion
Kommerzielle Recyclingtechnologien
Kooperationen und Forschung
Bioraffinerie für Zellstoffproduktion
[E5-2 20a, MDR-A 68a, 68b, 68c]
Bei der Zellstoffproduktion wird Holz in Faserzellstoff umgewandelt, der anschließend verwendet wird, um Fasern herzustellen. An den Zellstoffstandorten von Lenzing ist dies ein energieautarker Prozess, bei dem Rohstoffe effizient eingesetzt und Lösungsmittel sowie Chemikalien mit hohen Rückgewinnungsraten zurückgeführt werden. Dadurch werden marktfähige Bioraffinerieprodukte und Energie erzeugt, gleichzeitig werden Produktionsabfälle verringert (siehe Abbildung „Hocheffizienter Einsatz des Rohstoffes Holz“). Die Lenzing Gruppe betreibt derzeit drei Bioraffinerien: eine in Lenzing (Österreich), eine in Paskov (Tschechische Republik) und eine in Indianópolis (Brasilien). Diese versorgen andere Branchen mit wertvollen Bioraffinerieprodukten und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur effizienten Nutzung von Holz und Prozesschemikalien in einem Kreislaufsystem. Jeder Standort produziert ein spezifisches Portfolio an Bioraffinerieprodukten.
Hocheffizienter Einsatz des Rohstoffes Holz in den Bioraffinerien
Überschüssige Energie aus der Zellstoffproduktion wird in Form von Dampf und Strom als erneuerbare Energie bereitgestellt. Am Standort Lenzing (Österreich) wird die überschüssige Energie direkt in die Faserproduktionsanlagen eingespeist. In Paskov (Tschechische Republik) und Indianópolis (Brasilien) wird überschüssige Energie in das Stromnetz eingespeist und damit ein Beitrag zum Umstieg auf erneuerbare Energie in diesen Regionen geleistet. Das veranschaulicht die Kaskadennutzung von Biomasse und die 100-prozentige Verwertung des Rohstoffs Holz.
Kommerzielle Recyclingtechnologien
[E5-2 20b, A 68a, 68b, 68c]
Recycling erfordert einen ganzheitlichen Ansatz. Textilrecyclingverfahren können aufgrund der komplexen Zerlegung von Textilien, Mischmaterialien und der für die Textilproduktion verwendeten Chemikalien energieintensiv sein. Um echte Verbesserung der Auswirkungen auf das Klima und andere Umweltfaktoren zu erzielen, müssen folgende Faktoren berücksichtigt werden: z. B. Design für Kreislauffähigkeit; Nutzung von erneuerbarer Energie und Chemikalien mit geringer Umweltwirkung in der Wertschöpfungskette. Marken und Einzelhändler spielen eine wichtige Rolle, denn sie bieten nicht nur Produkte mit Recyclinganteil an, sondern entwerfen Textilien auch so, dass sie mit Blick auf Haltbarkeit, Recyclingfähigkeit und biologische Abbaubarkeit die Kreislaufwirtschaft fördern.
Lenzing verwendet in ihrem Produktportfolio zwei Arten von Recycling: chemisches und mechanisches Recycling, beides sind fortlaufende Aktivitäten.
Chemisches Recycling
Um die Herausforderungen im Zusammenhang mit Abfall in der Textilindustrie zu meistern, hat Lenzing die innovative Recyclingtechnologie REFIBRA™ entwickelt. Dabei werden zellulosehaltige Stoffreste aus der Bekleidungsproduktion und Alttextilien aus Baumwolle oder regenerierter Cellulose zusammen mit Frischzellstoff zu neuen Fasern verarbeitet. Die F&E-Teams von Lenzing arbeiten kontinuierlich an der Weiterentwicklung dieser Technologie.
Viscosefasern der Marke LENZING™ ECOVERO™, die mit der REFIBRA™ Technologie hergestellt wurden, enthalten einen recycelten Anteil von mindestens 20 Prozent aus Stoffresten aus der Textilproduktion und Alttextilien. Diese hochwertigen Fasern sind in puncto Performance durchaus mit Fasern aus rein holzbasiertem Faserzellstoff vergleichbar. Die Fasern sind nach dem Recycled Claim Standard (RCS) zertifiziert. Dieser bestätigt, dass alle Produktionsschritte entlang der gesamten Lieferkette den Anforderungen entsprechen, um die Integrität des Endproduktes zu gewährleisten.
Mechanisches Recycling
Lenzing Fasern können auch als Beimischung verwendet werden, um mechanisch recycelte Textilien zu verbessern (Post-Industrial, Pre-Consumer/Post-Consumer). Diese Textilien werden beim mechanischen Recycling so weit wie möglich in die einzelnen Fasern aufgetrennt. Da die Faserlänge verkürzt wird und die Fasern an Performance (z. B. Festigkeit) einbüßen, benötigen diese mechanisch recycelten Fasern Trägerfasern, um zu neuem hochqualitativem Garn gesponnen zu werden. Lenzing Fasern werden erfolgreich als Trägermaterial für mechanisch recycelte Fasern eingesetzt.
Kooperationen und Forschung
[MDR-A 68a, 68b, 68c]
2025 führte die Lenzing-Gruppe zahlreiche langfristige Forschungskooperationen fort, um Textilrecycling-Technologien weiterzuentwickeln und das Verständnis der Kreislaufwirtschaft bei politischen Entscheidungsträgern und Stakeholdern in der Industrie zu verbessern. Das übergeordnete Ziel besteht darin, den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft im Textil- und Vliesstoffsektor zu beschleunigen. Lenzing arbeitet bei mehreren, nachfolgend erläuterten Forschungsprojekten mit Partnern wie Södra, CELLFIL und TreeToTextile zusammen. Die gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung, berechnet nach Frascati, beliefen sich auf Konzernebene im Jahr 2025 auf insgesamt EUR 31,7 Mio. (2024: EUR 30,4 Mio.). Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind unternehmensspezifische Informationen.
Södra
Um die technologische Entwicklung für das Textilrecycling zu beschleunigen und die Kapazitäten für Faserzellstoff aus Alttextilien zu erweitern, ist Lenzing 2021 eine Zusammenarbeit mit Södra, einem weltweit führenden Zellstoffhersteller, eingegangen. Gemeinsam wird das Ziel verfolgt, bis 2029 am Standort von Södra in Mörrum 50.000 Tonnen Textilabfälle pro Jahr zu recyceln und zu verarbeiten. Die Initiative „Textile Recycling in Europe AT Scale“ (LIFE TREATS) wird von der EU im Rahmen des LIFE Programms 2022 (Projekt-ID 101113614) mit EUR 10 Mio. gefördert, um gemeinsam das innovative OnceMore®-Recyclingverfahren weiterzuentwickeln.
CELLulose lyocell FILaments (CELLFIL)
Lenzing ist Teilnehmer und technischer Koordinator von CELLFIL – CELLulose lyocell FILaments (Projekt-ID 101135042), das 2024 als skalierbare Lösung für zirkuläre Textilproduktion 2024 gestartet wurde. Im Mittelpunkt des Projekts steht das Lyocell-Filament der Marke TENCEL™ Luxe, das im Laufe der letzten zehn Jahre von Lenzing entwickelt wurde. CELLFIL erstreckt sich inzwischen über die gesamte Wertschöpfungskette, von Rohstoffen über verschiedene Produktionsschritte bis hin zu Endanwendungen. Im Rahmen des Projekts werden neun Prototypen-Produkte in drei Kategorien entwickelt: Performance Wear, Textilien für die Automobilindustrie sowie technische Textilien und Verstärkungen. Dieser Prozess beinhaltet das Design, die Entwicklung und Validierung textiler Endanwendungen, die optimierte Lyocell-Filament-Garne und ‑Textilflächen nutzen, die verbesserte Recyclingfähigkeit bieten. Das Projekt deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab, um zu zeigen, dass Cellulose-Filamente die aktuell in der Textilindustrie vorherrschenden fossilbasierten Pendants potenziell ersetzen können. Infolgedessen soll CELLFIL somit die Wertschöpfungskette in der europäischen Textilindustrie durch die Entwicklung nachhaltiger, biobasierter Lyocell-Filamente transformieren. Lenzings Rolle als Herstellerin von TENCEL™ Luxe beinhaltet die Belieferung der Partner mit geeigneten Filament-Typen und die Entwicklung neuer Varianten, wie Filamenten, die Cellulose aus alternativen Quellen enthalten. Die Entwicklung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Partnern, deren nachgelagerte Versuchsergebnisse unmittelbar in die nachfolgenden Versionen von Filament-Varianten einfließen. Darüber hinaus arbeitet Lenzing an zusätzlichen Prozessverbesserungen, um die Filamentproduktion auf industrielles Niveau zu skalieren. Das Projekt wird die Innovationstätigkeit entlang der Wertschöpfungskette ankurbeln, indem es Geschäftsmodelle und Strategien definiert, die bis 2030 am Markt eingeführt werden sollen. Damit trägt es letztendlich zur Entwicklung einer zirkulären Textilwirtschaft in Europa bei.
TreeToTextile
Lenzing hat 2024 eine Minderheitsbeteiligung am schwedischen Cellulosefaserunternehmen TreeToTextile AB erworben und will mit dieser strategischen Partnerschaft Cellulosefasern der nächsten Generation entwickeln. Die preisgekrönte Technologie und der Produktionsprozess von TreeToTextile, der die Umweltbelastung deutlich reduziert, stehen im Einklang mit Lenzings Bekenntnis zu Nachhaltigkeit. Im Februar 2026 erhöhte die Lenzing Gruppe ihre bestehende Beteiligung an TreeToTextile AB und übernahm damit die kontrollierende Mehrheit. Mit der Mehrheitsübernahme unterstreicht Lenzing ihren Anspruch, die Premiumisierungsstrategie konsequent voranzutreiben und ihre führende Rolle im globalen Markt für Spezialfasern weiter auszubauen. Die Transaktion ermöglicht eine beschleunigte Skalierung der neuen Technologie. Lenzing plant sowohl eine deutliche Steigerung des Produktionsausstoßes in der bestehenden Demonstrationsanlage in Nymölla, Schweden, als auch die Vorbereitung der ersten industriellen Großanlage.
Diskussion über politische Maßnahmen
Mit Blick auf die technologischen Herausforderungen und regulatorischen Hürden beim Textilrecycling in der EU trägt Lenzing zu folgenden europäischen Kooperationen mit ihrem Know-how und Fachwissen bei: Policy Hub, Textile Dialog, European Recycling Industries’ Confederation (EuRIC), Forum for the Future (international), Bioökonomie-Strategie für Österreich. Besonders beachtenswert sind die beiden folgenden Kooperationen mit CISUTAC und ESCIB.
Circular and Sustainable Textiles and Clothing (CISUTAC)
Seit Oktober 2022 ist Lenzing Partner im CISUTAC-Projekt, das von der EU kofinanziert wird (Projekt-ID 101060375). Das Konsortium wurde gegründet, um den Übergang zu einer kreislauforientierten und nachhaltigen Textilindustrie zu unterstützen. Neben Lenzing zählen zu den 24 Partnern des Konsortiums Branchenvertreter wie Södra und Decathlon, Nichtregierungsorganisationen wie Oxfam und wissenschaftliche Einrichtungen wie RISE und CENTEXBEL. Die Initiative soll Hürden für die Kreislaufwirtschaft entlang der gesamten textilen Wertschöpfungskette identifizieren, vermeiden und beseitigen. In diesem Rahmen konzentriert sich Lenzing entsprechend ihrer Unternehmensstrategie auf die Entwicklung von Recyclingverfahren für Cellulosefasern, einschließlich der Lieferung von Fasern, die die Qualität von mechanisch recyceltem Baumwollgarn verbessern.
Environmental Sustainability & Circularity Assessment Methodologies for Industrial Biobased Systems (ESCIB)
Lenzing nimmt am von der EU finanzierten Projekt ESCIB (Projekt-ID 101135071) teil – Entwicklung von Methoden zur Beurteilung der ökologischen Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit industrieller biobasierter Systeme – das Anfang 2024 gestartet wurde. Ziel des Projekts ist es, die europäische biobasierte Wirtschaft durch die Entwicklung wichtiger Bewertungsmethoden zu unterstützen, die eine schnellere und genauere Bewertung ihrer Wertschöpfungsketten ermöglichen. Zu den Kernzielen des ESCIB gehört die Entwicklung von Standardmethoden für die Bewertung von Lebenszyklus und Nachhaltigkeit biobasierter Systeme auf verschiedenen technologischen Entwicklungsstufen (Technology Readiness Levels – TRLs). Dies wird dazu beitragen, die Nachhaltigkeit biobasierter Produkte weiter zu verbessern, potenzielle negative Auswirkungen zu verringern und die Vorteile biobasierter Produkte im Vergleich zu Produkten auf fossiler Basis hervorzuheben. Lenzing liefert als Partnerin aus der Industrie Anwendungsfälle und spielt eine zentrale Rolle beim Testen und bei der Evaluation der entwickelten Methoden. Der primäre Anwendungsfall von Lenzing bei dem Projekt ist Lyocell™ Filament, wodurch auch eine solide Verbindung zum EU-finanzierten Projekt CELLFIL entsteht.